Olivenöl, Wein, Honig: So dreist wird grenzübergreifend gepanscht, gestreckt und gesüßt

Olivenöl, Wein, Honig: So dreist wird grenzübergreifend gepanscht, gestreckt und gesüßt

Das Olivenöl nativ extra aus dem Supermarkt sollten wir künftig wohl doch erst mal ins Küchenregal zurückstellen. Ist dann doch zu günstig, mit unter fünf Euro für immerhin einen dreiviertel Liter. Neun Euro pro halbem Liter müsse man mindestens rechnen, weiß der Experte im neuen Verbraucherfilm "Fake Food – Die Tricks der Lebensmittelfälscher", zu sehen bei ZDFinfo am Mittwoch, 20. Juni, um 20.15 Uhr (und im ZDF am 22. Juli, um 19.25 Uhr). – Auf dem Lebensmittelmarkt wird gefälscht, was das Zeug hält. Und nicht etwa die Tütensuppen, der zusammengeleimte Kochschinken und die turbogereifte Salami sind in dieser Hinsicht die Marktführer, sondern das Olivenöl, der Wein und der Honig – zumindest, was das Verkaufsvolumen betrifft.

Die ZDFinfo-Doku deckt mit Laborversuchen und Aussagen von Ermittlungsbeamten schonungslos auf: Es wird grenzüberschreitend gepanscht, gestreckt, verdünnt – und die europaweiten Ermittler hinken eher hilflos hinterher.

Gepanschtes Olivenöl, Wein und Honig werden in großen Mengen besonders gerne exportiert. "In der Welt der Fälscher ist alles international", erklärt der belgische Interpol-Ermittler Chris Vansteenkiste im Film von Anja Utfeld und ermahnt zum "Kräfte bündeln" und zum "Stärker Zusammenhalten". Aber was will man machen, wenn die Wein- und Olivenöl-Panscher bei ihrem lukrativen Geschäft den Laborchemikern stets einen Schritt voraus sind, ganz wie beim Drogenmissbrauch?

Hinzu kommt: Selbst feinen Zungen schmeckt das aus minderwertigem Altöl (Lampantöl), Haselnuss- oder Distelöl zusammengebraute "hochwertige" Olivenöl ganz gut. "Man merkt es nicht", sagt einer, der jeden Morgen einen halben Löffel Olivenöl zu sich nimmt, während andere beim Gechmacksquiz voll daneben greifen und manch minderwertiges Öl als besonders geschmackvoll erachten. Die Analyse-Profis mit der feinen Zunge tun es ihnen gleich und finden unter lauter minderwertigen das eine gute Öl keineswegs heraus.

Die investigative Doku macht deutlich: Weil Olivenöl leicht zu fälschen ist, wird es – etwa in Italien – zur Falschdeklaration besonders gerne hergenommen. Acht Millionen Euro Profit sind, über die Grenze hinweg verdient, leicht drin. Dass man jüngst 150.000 Liter beschlagnahmt hat, auch weil sich chlorofyll-gefärbtes Sonnenblumenöl leicht nachweisen lässt, ist da ein schwacher Trost. Lange Lieferketten, vom Bauern über den Abfüller bis zum Discounter machen den Lebensmittelpolizisten das Leben schwer – und es fehlt an Kontrolleuren.

Panschereien auch beim Wein: War die Mafia im Spiel?

Auch beim Wein wird über die Grenzen hinweg verwässert, aromatisiert und Glycerin zugesetzt. Deutsche Winzer und Kellereien sind da nicht ausgenommen. Ein Winzer vom Rhein wurde mit einem Berufsverbot von fünf Jahren und 200.000 Euro Strafe belegt, kann der Bad Kreuznacher Staatsanwalt Bernhard Mann berichten. Allerdings gibt er Fälle gern an Kollegen ab, "wenn die Fälscher im Ausland sitzen". Immerhin wurden in einem Fall 11.000 Flaschen angeblichen Antinori-Weins – hundert Euro pro Flasche – als billiger Fusel entlarvt. Die Mafia soll im Spiel gewesen sein.

Auch hierzulande werden Rebsorten unzulässig vermischt und Weinmarken gefälscht, geschätzt jährlich an die elf Millionen Flaschen. Wie es in dem Beitrag heißt, führe Personalmangel dazu, dass Produkte nicht ausreichend kontrolliert werden: "Die Weinbranche in Deutschland verliert dadurch jährlich etwa 60 Millionen Euro Umsatz."

Im Honigfälschen wiederum, in Deutschland ein Importgeschäft von Mexiko bis hin zur Ukraine, sind die Chinesen nach den strengen EU-Richtlinien führend. Mit Zuckersirup aus Reis, Mais und Weizen wird der Bienenhonig gestreckt und vor allem weit vor der Reife geerntet. Die EU schreibt vor, der Honig müsse alleine von Bienen erzeugt sein, und das bis zur vollständigen Reife.

Der Druck auf den Weltmarkt durch China, wo die Imkereien mit ihren Stahlkesseln wie Brauereien aussehen, wächst. An Einfuhrbeschränkungen wird bereits gedacht, aber das ist dann wieder ein weites Feld für Juristen und Diplomaten. Neuregelungen dauern jedenfalls noch Jahre. Derweil werden wir doch wieder zum weniger teuren, vermeintlich "hochwertigen" Olivenöl und zum zuckerversüßten Honig greifen. Einen Trost, wie schön, gibt uns der Interpol-Mann Vansteenkist aber doch mit auf den Weg: "Kriminelle finden immer wieder neue Methoden", so sagt er. "Aber wir hören nicht auf, sie zu jagen."

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