Hitzige Apotheken-Debatte vor der Landtagswahl

Hitzige Apotheken-Debatte vor der Landtagswahl

Brandenburgs Apothekern geht es eigentlich gut: Entgegen demBundestrend ist die Apothekenzahl in Brandenburg seit Jahren stabil. Und dochwerden seit Jahren zwischen Apothekern und der Landespolitik hitzige Gesprächegeführt. So auch am gestrigen Donnerstag in Potsdam bei einerPolitik-Diskussion, die von der Landesapothekerkammer veranstaltet wurde. Denndie Apotheker fürchten sich mit Blick auf den fehlenden Pharmaziestudiengangund das hohe Durchschnittsalter der Inhaber vor der Zukunft. Die Politik machteden Pharmazeuten wenig bis gar keine Hoffnungen.

Apotheker aus Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württembergwürden sich über eine solche Entwicklung freuen: Seit 2007 liegt dieApothekenzahl in Brandenburg konstant bei etwa 570. Im Bundesdurchschnitt istsie im gleichen Zeitraum um mehr als 10 Prozent gesunken. Doch es ist nicht derStatus quo, der den Brandenburger Apothekern Sorgen bereitet, sondern ein Blickin die Zukunft: In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der in öffentlichenApotheken beschäftigten Approbierten (inkl. Inhaber) konstant gesunken. Ineiner Berechnung der Kammer heißt es, dass bis 2028 in fünf Landkreisen mehrals die Hälfte der Inhaber in Rente gegangen sein wird. Im Schnitt werden inden kommenden neun Jahren laut Kammer knapp 40 Prozent aller Inhaber in Rentegehen. Und auch die Zahl der angestellten Approbierten wird demnach ausAltersgründen sinken: bis 2028 um 19 Prozent.

Und so ist das Nachwuchsthema für die BrandenburgerApotheker ein ganz besonders wichtiges. Seit Jahren fordert die Kammer dieEinrichtung eines eigenen Pharmaziestudienganges in Brandenburg und erhofftsich somit einen „Klebeeffekt“. Die Politik hat die Apotheker damit aberbislang abblitzen lassen. Immer wieder mal wurde das Thema vom Gesundheits- undWirtschaftsministerium aufgegriffen, selbst bei Ministerpräsident DietmarWoidke (SPD) hatte die Kammer einen Termin – doch passiert ist bislang garnichts.

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Am 1. September wird in Brandenburg ein neuer Landtaggewählt. Lediglich die CDU und die SPD greifen das Thema in ihrenWahlprogrammen auf. Die CDU setzt sich klar für einen Studiengang Pharmazieein, die SPD will ihn „prüfen“. Bei einer Politik-Diskussion der Kammer mitVertretern der Parteien (AfD, CDU, Freie Wähler, Grüne, Linke, SPD) amgestrigen Donnerstag in Potsdam nutzte Kammerpräsident Jens Dobbert erneut dieMöglichkeit, vehement auf die Forderung der Apotheker hinzuweisen. Insbesonderevon der SPD fühle er sich „verscheißert“, so Dobbert. Denn: „Wir haben so oftversucht, mit der Landesregierung über dieses Thema zu sprechen und wurden immerwieder vertröstet. Die Wissenschaftsministerin Münch hat im Wahlkampf nunnochmals klargestellt, dass sie einen neuen Medizinstudiengang fördern will,nicht aber die Pharmazie.“

Der anwesende SPD-Kandidat für den Wahlkreis Potsdam, DanielKeller, erinnerte an den Koalitionsvertrag und erklärte, man wolle dieEinrichtung des Studienganges „prüfen“. Keller wies auch darauf hin, dass esimmer auch um die Finanzierbarkeit von Forderungen gehe und diese müsse hiernoch geklärt werden. Zur Erklärung: Die Kammer geht davon aus, dass dieEinrichtung eines Pharmaziestudiums in etwa fünf Millionen Euro kosten würde.Dobbert wies darauf hin, dass das nötige Geld schon einmal in einemHaushaltsentwurf des Landtages vorgesehen war, vom Finanzminister aber inletzter Minute wieder gestrichen wurde. Er erklärte dazu: „Der Finanzministerhat das gestrichen, weil die Ministerin Münch kein Konzept für den Studiengang vorgelegthatte.“

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