Transsexuelle berichtet: Mein Leben als Mann war wie ein Straflager

Transsexuelle berichtet: Mein Leben als Mann war wie ein Straflager

Innerlich fühlte Stefan schon immer wie eine Frau. Seit einem Jahr hat sich auch das Aussehen gewandelt und aus Stefan wurde Sabine. Was dafür alles nötig war und wie ihre Umwelt auf die Umwandlung reagierte.

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Der erste Eindruck – sehr feminin, ein weiches Gesicht, umrahmt von sanften blonden Locken. Dass Sabine schon Ende 40 ist, sieht man der groß gewachsenen Frau nicht an – und schon gar nicht, dass sie noch vor einem Jahr äußerlich ein typischer Mann war – mit großer Nase, ausgeprägten Geheimratsecken und Bartwuchs.

Nase und Kinn wirkten zu männlich

Damals ließ sich die Münchner Mathematikerin Kinn und Nase operieren. Den Eingriff nahm Jens Baetge vor, Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der „Nürnberger Klinik“. „Ich hatte ihm gesagt, ich möchte eine Frau sein, also weibliche Züge haben“, sagt Sabine Schmidt (Name geändert).

„Das Ergebnis ist phänomenal“, sagt sie begeistert. Als sie jetzt beim Einkaufen an der Kasse einer früheren Freundin gegenüberstand, erkannte diese sie nicht. Für die Operation nahm Sabine übrigens selbstverständlich Urlaub und zahlte rund 11.000 Euro aus der eigenen Tasche.

Sorgfältige Bartepilation dauert Jahre

Neben der Gesichtsoperation ließ die Transsexuelle oder Intersexuelle – es gibt verschiedene Bezeichnungen für die „Wanderer zwischen den Geschlechtern“ – durch Haartransplantation einen weiblichen Haaransatz zaubern. Mit der Bartepilation hatte sie schon fünf Jahre vorher begonnen – „eine langwierige und schmerzhafte Prozedur“, sagt Sabine heute.

Sabine nimmt seit über einem Jahr Hormone: Das ist einerseits Östrogen, also das weibliche Sexualhormon, zusätzliche ein Testosteronblocker, um die Bildung der männlichen Hormone zu unterdrücken. Die tiefe Stimme ist davon leider unbeeinflusst, daher hilft jetzt Sprechtraining dabei, der Stimme einen höheren, weiblicheren Klang zu verleihen.

Stefan war körperlich eindeutig ein Mann

Das hört sich alles ziemlich einfach an und als ob Sabine rasch mal von einem Arzt zum anderen jettete, um äußerlich vom Mann zur Frau zu werden. „Ganz so unkompliziert war es nicht“, gibt sie zu. Obwohl Stefan eindeutig ein Mann war – mit tiefer Stimme, Penis, Hoden, typisch männlichem Haarwuchs, fühlte er sich in seiner Haut falsch. „Das begann bereits in der Grundschule“, erinnert sie sich heute.

Stefan wollte am liebsten mit Mädchen spielen, „Fußball fand ich langweilig.“ Sein ganzes Leben schien wie von einem Grauschleier überschattet, durch den die Sonne nicht richtig durchkam. Erst vor einem Jahr, als er mit der Hormonbehandlung begann, „wurde dieser Schleier mit einem Ruck weggerissen.“ privat

Internet brachte die ersten Informationen

Als in den 90er Jahren dann das Internet seine Pforten öffnete, begann er zu recherchieren. War er alleine mit seinem Problem? Stefan erkannte erleichtert, dass es viele andere gab, die ähnlich fühlten – und dass es Selbsthilfegruppen gibt und ärztliche Hilfe.

Doch den festen Entschluss, auch äußerlich eine Frau zu werden, fasste er erst vor wenigen Jahren. „So geht es nicht weiter, sonst erschieße ich mich “, erinnert sich die Mann-zu-Frau-Transsexuelle heute. Ein Psychiater und eine Psychologin (von Rechts wegen ohnehin für die Hormontherapie vorgeschrieben), führten ihn schließlich auf den richtigen Weg.

Der nächste Schritt ist dabei die Änderung seines Namens im Ausweis, gemäß des Transsexuellengesetzes. Dazu braucht es mehrere Gutachter, die Stefan selbstverständlich aus eigener Tasche bezahlen muss. Dann gibt es eine Anhörung vor Gericht und dort wird beschlossen, ob aus Stefan dann auch offiziell Sabine wird. Der Termin ist in wenigen Wochen.

Wie aus dem Penis operativ eine Vagina wird

Im nächsten Jahr ist eine Brustvergrößerung geplant. „Es passt nicht, dass eine Frau von über 1,80 Meter einen Busen der Größe Cup A hat“, sagt Sabine. Auch für die Operation, die seine Geschlechtsteile angleichen soll, ist Stefan bereits angemeldet. Dabei bildet der Chirurg zwischen Enddarm und Blase eine Neovagina, die mit der umgestülpten Penisschafthaut ausgekleidet wird. Vorhaut und Eichel bleiben erhalten – die Vorhaut wird zu inneren Schamlippen geformt, die Eichel zur Klitoris gebildet. Die Harnröhre wird entsprechend verkürzt.

„Noch ist die Wartezeit auf diese Operation lang, doch die Ärzte sagten, sie kann sich noch verkürzen“, sagt Sabine. Denn oft wird der OP-Termin storniert – auch weil manche vorher verzweifeln und Suizid begehen. Genaue Zahlen dazu gibt es aber noch nicht.

Wie Freunde und Kollegen auf die Umwandlung reagieren

Sabine scheint hier jedoch nicht gefährdet zu sein. Sie ist glücklich – denn ihr Umfeld hat, anders als sie es erwartet hat, sehr positiv reagiert. „Ich hatte befürchtet, viele Freunde zu verlieren, aber ich habe zusätzlich noch neue gewonnen“, freut sie sich. „Fast alle Freunde und Kollegen haben es sehr positiv aufgenommen“, berichtet Sabine.

Und wie sieht es mit Liebe und Sex aus? „Ich hätte gerne eine feste Partnerin, bin also jetzt natürlich lesbisch“, erklärt sie offen. Doch die Chancen, dass eine lesbische Frau eine Transsexuelle liebt, sind sehr gering, darüber ist sich Sabine im Klaren.

Rat an andere Betroffene

Rückblickend erklärt Sabine: „Als ich mich zum ersten Mal mit weiblichem Gesicht, Haaren und selbstverständlich der entsprechenden Kleidung im Spiegel sah, fühlte ich mich endlich befreit.“ Rückblickend kann sie sagen, ihr Leben als Mann hatte sich wie ein Straflager angefühlt, wie ein „Leiden in einem Gulag.“

Anderen Betroffenen rät sie heute, Mut zu haben. Die Vorbehalte in der Umwelt sind wesentlich geringer als früher. Die meisten Menschen sind tolerant und sehen das nicht als Problem an. „Wenden Sie sich an einen Psychiater, der auf Transsexualität, Transidentität oder Transgender spezialisiert ist, diese Fachleute gibt es in jeder größeren Stadt.“ Hilfreich sind jedoch vor allem auch Selbsthilfegruppen wie etwa:

Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.

Trans-Ident e.V.

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