Weitverbreitetes Konservierungsmittel erhöht Risiko für Diabetes und Fettleibigkeit

Weitverbreitetes Konservierungsmittel erhöht Risiko für Diabetes und Fettleibigkeit

Erhöht ein Konservierungsmittel das Risiko für eine Gewichtszunahme?

Forschende der international hoch anerkannten Harvard University fanden bei ihrer Untersuchung heraus, dass sogenanntes Propionat, ein in Backwaren, Tierfutter und künstlichen Aromastoffen weit verbreitetes Konservierungsmittel, den Spiegel verschiedener Hormone zu erhöhen scheint, welche mit einem Risiko für Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung stehen.

Bei der aktuellen Untersuchung der Harvard T.H. Chan School of Public Health konnte festgestellt werden, dass ein häufig genutztes Konservierungsmittel das Risiko für Fettleibigkeit erhöht. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Science Translational Medicine“ publiziert.

Bewirkt eine weitverbreitete Zutat in unseren Lebensmitteln, dass wir schneller zunehmen und häufiger an Diabetes und Fettleibigkeit erkranken? (Bild: Philippe Ramakers/fotolia.com)

Propionat kann Kaskade von Stoffwechselereignissen auslösen

Die neue Untersuchung, welche die Daten aus einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an Menschen und Mäusen kombinierte, wies darauf hin, dass Propionat eine Kaskade von Stoffwechselereignissen auslösen kann, die zu Insulinresistenz und Hyperinsulinämie führt. Die Ergebnisse zeigten auch, dass bei Mäusen chronische Propionat-Exposition zu Gewichtszunahme und Insulinresistenz führte, berichten die Forschenden.

Mehr als 400 Millionen Menschen leiden an Diabetes

„Wenn wir verstehen, wie Inhaltsstoffe in Lebensmitteln den Stoffwechsel des Körpers auf molekularer und zellulärer Ebene beeinflussen, können wir einfache, aber wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung der beiden Epidemien Adipositas und Diabetes entwickeln“, sagt Studienautor Professor Gökhan S. Hotamışlıgil von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in einer Pressemitteilung.

Weltweit leiden mehr als 400 Millionen Menschen an Diabetes. Die Rate der Diabetes-Inzidenz dürfte sich trotz umfangreicher Anstrengungen zur Eindämmung der Krankheit bis zum Jahr 2040 um 40 Prozent erhöhen. Die steigenden Raten von Diabetes sowie Fettleibigkeit in den letzten 50 Jahren ließen vermuten, dass Umwelt- und Ernährungsfaktoren das Wachstum dieser Epidemie beeinflussen. Die Forschenden gingen davon, dass Komponenten der Ernährung, einschließlich Zutaten, die zur Zubereitung oder Konservierung von Lebensmitteln verwendet werden, einen wesentlichen Faktor darstellen können, aber diese Moleküle wurden bisher nur wenig untersucht.

Was ist Propionat?

Für die aktuelle Studie konzentrierten sich die Forschenden auf Propionat, eine natürlich vorkommende kurzkettige Fettsäure, die verhindert, dass sich auf Nahrungsmitteln Schimmel bildet. Sie verabreichten diese kurzkettige Fettsäure zuerst an Mäuse und stellten fest, dass sie das sympathische Nervensystem schnell aktivierte, was zu einem Anstieg der Hormone führte, einschließlich Glucagon, Norepinephrin und des neu entdeckten gluconeogenen Hormons FABP4. Dieses Hormon wiederum veranlasste die Mäuse, mehr Glukose aus ihren Leberzellen zu produzieren, was zu Hyperglykämie führte, einem bestimmenden Merkmal von Diabetes.

Weitere Versuche an Menschen wurden durchgeführt

Darüber hinaus fanden die Forschenden heraus, dass eine dauerhafte Behandlung von Mäusen mit einer Propionatdosis, die der Menge entspricht, die typischerweise vom Menschen verbraucht wird, zu einer erheblichen Gewichtszunahme sowie zu Insulinresistenz bei den Tieren führte.

Um herauszufinden, ob die Ergebnisse von Mäusen auf den Menschen übertragen werden können, haben die Forschenden eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 14 gesunden Teilnehmenden durchgeführt. Diese wurden zufällig in zwei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe erhielt eine Mahlzeit, die ein Gramm Propionat als Zusatzstoff enthielt, und die andere Gruppe erhielt eine Mahlzeit, welche ein Placebo enthielt. Blutproben wurden dann vor der Mahlzeit, innerhalb von 15 Minuten nach dem Verzehr der Mahlzeit und danach alle 30 Minuten für einen Zeitraum von vier Stunden genommen.

Was bewirkte die Aufnahme von Propionat bei Menschen?

Die Forschenden fanden heraus, dass Menschen, welche die Mahlzeit mit Propionat konsumierten, einen signifikanten Anstieg von Noradrenalin sowie einen Anstieg von Glucagon und FABP4 kurz nach dem Essen der Mahlzeit erlebten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Propionat als eine Art Stoffwechselstörer fungieren kann, der möglicherweise das Risiko für Diabetes und Fettleibigkeit beim Menschen erhöht. Propionat wird zwar allgemein von der US-amerikanischen Food and Drug Administration als sicher anerkannt, aber die neuen Erkenntnisse rechtfertigen eine weitere Untersuchung von Propionat und möglichen Alternativen, die bei der Zubereitung von Speisen verwendet werden könnten.

Zutaten in Lebensmitteln müssen besser untersucht werden

„Die dramatische Zunahme der Häufigkeit von Fettleibigkeit und Diabetes in den letzten 50 Jahren lässt darauf schließen, dass Umwelt- und Ernährungsfaktoren mit einbezogen werden müssen. Ein Faktor, der Aufmerksamkeit erfordert, sind die Zutaten in normalen Lebensmitteln. Wir sind täglich Hunderten dieser Stoffe ausgesetzt, und die meisten wurden nicht im Detail auf ihre potenziellen langfristigen Stoffwechselwirkungen getestet“, erklärt Professor Amir Tirosh wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. (as)

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