Wie gefährlich ist Lidocain?

Wie gefährlich ist Lidocain?

Seit letzter Woche Freitag ist bekannt, dass die Glucose-Abfüllung aus einer Kölner Apotheke – die zum tragischen Tod einer Schwangeren und ihres per Notkaiserschnitt geborenen Kindes geführt hat – mit Lidocainhydrochlorid verunreinigt war. Laut Polizei gibt es derzeit keine Hinweise auf vorsätzliches Handeln. Nicht nur bei Apothekern entstehen daher die Fragen: Wie kam es zur Verwechslung zwischen Lidocain und Glucose? Wie toxisch ist Lidocain bei oraler Aufnahme? Und wie viel Lidocain muss in der Glucose-Abfüllung enthalten gewesen sein? Erklärungsversuche.

Im Fall der mit Lidocainhydrochlorid verunreinigten Glucose-Abfüllung aus einer Kölner Apotheke, für einen Test auf Schwangerschaftsdiabetes beim Gynäkologen, wurde die Mischung aufgelöst in Wasser getrunken, das enthaltene Lidocain also oral eingenommen. Lidocain ist in Apotheken gut bekannt – mit Gefahr verknüpft man den Wirkstoff aber nicht unbedingt sofort. Denn die meisten dürften zunächst an seinen Einsatz als Lokalanästhetikum denken – also nicht an eine orale oder systemische Aufnahme.

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Allerdings lässt sich Lidocain auch den Antiarrhythmika der Klasse 1b zuordnen, was einen ersten Hinweis auf seine (potenziell toxische) systemische Wirkung liefert. In dieser Indikation kommt Lidocain jedoch auch nicht oral, sondern intravenös zum Einsatz: „Keine orale Gabe, da hoher ‚First-Pass‘-Effekt“ heißt es in einer tabellarischen Übersicht zur klinischen Anwendung von Antiarrhythmika (Seite 393, Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie; 11. Auflage, Urban Fischer Verlag). Wie gefährlich ist Lidocain also bei peroraler Aufnahme?

Verwechslungsgefahr?

Eigenschaften von Lidocain und Glucose nach Europäischem Arzneibuch:

  • Lidocain: weißes bis fast weißes, kristallines Pulver; praktisch unlöslich in Wasser, sehr leicht löslich in Dichlormethan und in Ethanol 96 Prozent
  • Lidocainhydrochlorid-Monohydrat: weißes bis fast weißes, kristallines Pulver; sehr leicht löslich in Wasser, leicht löslich in Ethanol 96 Prozent
  • Glucose-Monohydrat: weißes bis fast weißes, kristallines Pulver; leicht löslich in Wasser, sehr schwer löslich in Ethanol 96 Prozent
  • Glucose: weißes bis fast weißes, kristallines Pulver; leicht löslich in Wasser, sehr schwer löslich in Ethanol 96 Prozent

Lidocain kann Arrhythmien verstärken

Unter seinem Markennamen ist Lidocain als Xylocain® Injektionslösung bekannt und kommt bei schwerwiegenden symptomatischen ventrikulären tachykarden Herzrhythmusstörungen zum Einsatz, wenn diese lebensbedrohend sind. Initial bewegt man sich dabei in einem Dosisbereich von 50 – 100 mg Lidocainhydrochlorid i. v., die Injektion hat langsam innerhalb von 2 Minuten zu erfolgen und darf nur in Abständen von 5 – 10 Minuten wiederholt werden. Pro Stunde sollten nicht mehr als 200 – 300 mg verabreicht werden, heißt es in der zugehörigen Fachinformation. Lidocaindosierungen in diesem Bereich sollten bei ansonsten Gesunden also eher nicht toxisch sein. Allerdings bedarf die Einstellung einer sorgfältigen kardiologischen Überwachung und darf nur bei Vorhandensein einer kardiologischen Notfallausrüstung sowie der Möglichkeit einer Monitorkontrolle erfolgen, denn Lidocain kann Arrhythmien auch verstärken.

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