ZMapp kann infizierte Affen heilen – und Menschen?

ZMapp kann infizierte Affen heilen - und Menschen?

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat viele Menschenleben gefordert und wird noch Monate dauern. In den USA beginnt jetzt ein Impfstoffversuch mit Erwachsenen. Eine 100-prozentige Heilung selbst in fortgeschrittenen Fällen wurde bei Tierversuchen erzielt. Ein Einsatz in Afrika steht in den Sternen.

Ein neuer Ebola-Impfstoff soll schon in den nächsten Tagen in den USA erstmals an Menschen getestet werden. Das Mittel  sei vom US-Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten (NIAID) und dem Pharmahersteller GlaxoSmithKline gemeinsam entwickelt worden, teilte die US-Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) mit. Die Versuche seien so gestaltet, dass sich die Teilnehmer nicht mit der lebensgefährlichen Erkrankung anstecken könnten. Zu Beginn solcher Tests geht es etwa um die Verträglichkeit eines Mittels. Doch bis zu einem Einsatz in Afrika ist es ein sehr langer Weg – falls das Mittel "ZMapp" überhaupt wirkt. 

Eigentlich hätten die Versuche erst später stattfinden sollen, aufgrund der sich rapide ausbreitenden Ebola-Epidemie mit schon mehr als 1500 Toten in Westafrika wurden sie jedoch vorgezogen. "Es gibt einen dringenden Bedarf für einen schützenden Ebola-Impfstoff und es ist wichtig, sicherzustellen, dass eine Impfung sicher ist", sagte NIAID-Direktor Anthony Fauci.  

Erste Ergebnisse frühestens Ende 2014

Getestetwerden soll in der Nähe der US-Hauptstadt Washington an 20 gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 50 Jahren. So wollen die Forscher herausfinden, ob die Impfung, die an Affen bereits erfolgreich ausprobiert wurde, sicher ist und welche Reaktion des Immunsystems sie hervorruft. Während der 48 Wochen dauernden Testzeit werden die Teilnehmer regelmäßig ärztlich untersucht. Bei dem Impfstoff wird ein verändertes Adenovirus als Plattform benutzt.  

Auch in anderen Ländern soll das Präparat demnächst getestet werden. "Der Beginn von Phase-1-Impfstoffstudien gegen Ebola ist der erste Schritt in einem langen Prozess", betonte Fauci. Erste Ergebnisse werden frühestens Ende 2014 erwartet. 

100-prozentige Heilung bei Tierversuchen

Bei der Suche nach einem Ebola-Medikament haben Wissenschaftler im Tierversuch eine 100-prozentige Heilung selbst in fortgeschrittenen Fällen erzielt. Die Forschergruppe um Gary Kobinger von der Public Health Agency of Canada gab am Freitag ihre Ergebnisse im Fachblatt "Nature" bekannt. Demnach wurden durch die experimentelle Arznei ZMapp alle 18 mit Ebola infizierten Affen geheilt, selbst die, die nur noch wenige Stunden zu leben hatten. Auch schwere Symptome wie Leberprobleme und Blutungen wurden durch die Antikörper-Behandlung beseitigt. Das Ergebnis sei "jenseits meiner Erwartungen" sagte Kobinger.

Guinea-Variante des Ebola-Virus

Die Versuche wurden an Tieren vorgenommen, die mit der so genannten Kikwit-Variante von Ebola infiziert waren. Sie unterscheidet sich von der Guinea-Variante des Virus, die für den jüngsten schweren Ausbruch in Westafrika verantwortlich ist. Zwar wurde das Medikament von Mapp Biopharmaceutical mit Sitz in San Diego dort bereits als Verzweifelungstat im Kampf gegen die tödliche Seuche angewandt. Allerdings waren die Ergebnisse den Ärzten zufolge nicht aussagekräftig: Zwei der Behandelten wurden geheilt, zwei starben. Im Labor hat sich ZMapp allerdings auch effektiv gegen den Guinea-Strang gezeigt, was Hoffnungen auf ein breiteres Einsatzfeld weckt.

Mittel wird aus Tabakblättern gewonnen

Mapp verfügt inzwischen über keine Dosen von ZMapp mehr. Das Mittel wird aus Tabakblättern bei einer Tochter von Reynolds American gewonnen. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte, vor einigen Wochen habe man mit der Herstellung einer neuen Charge begonnen. "Der Vorgang braucht seine Zeit", sagte sie. Es solle diesmal genug ZMapp hergestellt werden, um das Genehmigungsverfahren für eine Zulassung des Medikaments beim Menschen einzuleiten. Die entsprechenden Tests sollten bis Ende des Jahres beginnen.

"ZMapp" besteht aus drei Antikörpern, die an Ebola-Proteine binden

Gegen Ebola gibt es zurzeit weder einen vorbeugenden Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament zur Behandlung der Krankheit. Mehreren Patienten ist das experimentelle Mittel "ZMapp" verabreicht worden; einige wurden geheilt. Allerdings überlebt zurzeit auch ohne dieses Medikament jeder zweite Patient eine solche Infektion.  

"ZMapp" besteht aus drei Antikörpern, die an Ebola-Proteine binden. Sie sollen es dem Immunsystem ermöglichen, infizierte Zellen zu eliminieren. Von dem Wirkstoff, der aus einer Tabakpflanze gewonnen wird, gab es nur wenige Dosen. Diese sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation vergeben. Die Herstellung dauert Monate.  

Der Erreger tauchte zuerst – vermutlich Ende vorigen Jahres – in Guinea auf, breitete sich nach Liberia aus, dann nach Sierra Leone und im Juli nach Nigeria. Am Freitag meldete Senegal den ersten Fall.  FOCUS Online/Wochit Das sind die fünf tödlichsten Erreger der Welt

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