"Absolut verantwortungslos": Briten flüchten in Scharen aus London

"Absolut verantwortungslos": Briten flüchten in Scharen aus London

Weihnachten fällt in diesem Jahr aus – zumindest für viele Einwohner, die im Südosten des Vereinigten Königreiches und der Millionenmetropole London leben. Wegen einer neuen, deutlich ansteckenderen Corona-Mutation gilt in diesen Teilen des Landes nun wieder eine weitreichende Ausgangssperre. Sämtliche nicht-essenziellen Geschäfte wurden kurzerhand geschlossen. Seit Mitternacht sind die Bewohner zudem aufgefordert, zu Hause zu bleiben und sämtliche Kontakte zu vermeiden. Und das kurz vor den Weihnachtsfeiertagen.

Kein Wunder, dass der britische Premierminister Boris Johnson in Online-Memes bereits mit dem Grinch verglichen wird – jenem behaarten, grünen Wesen aus Dr. Seuss' Kinderbuchklassiker, das Weihnachten hasst und das Fest der Liebe vernichten will. Doch Johnson verteidigt die harten, von britischen Boulevardmedien mitunter als "drakonisch" bezeichneten Maßnahmen: "Wenn das Virus seine Angriffsmethode ändert, müssen wir unsere Verteidigungsmethode ändern", erklärte Johnson. "Ohne diese Maßnahmen, darauf deuten die Zeichen hin, werden die Infektionszahlen in die Höhe schnellen, Krankenhäuser würden überfordert sein und weitere Tausende Menschen werden ihr Leben verlieren."

Kontakte so weit wie möglich einschränken

Doch statt auf die Bremse zu treten und sich zuhause einzuigeln, wie es der Situation angemessen wäre, treten viele Landsleute offenbar die Flucht nach vorne an. Denn kurz nachdem Johnson die Einschränkungen für 18 Millionen Briten im südlichen Teil des Landes angekündigt hat, wurde es voll an den Bahnhöfen. Bilder in sozialen Netzwerken zeigen etwa den überfüllten St. Pancras Bahnhof in London. Dicht an dicht drängen sich die Menschen, die empfohlenen 1,50 Meter Abstand hält kaum jemand ein.

"Absolut verantwortungslos" sei dieses Verhalten, erklärte nun Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock. In mehreren Fernsehinterviews betonte der Politiker, dass die Menschen in den entsprechenden Regionen "ihre Taschen auspacken" und "soziale Kontakte" dieses Weihnachten einschränken sollten. Zugleich erklärte er, die Polizei werde die Menschen am Reisen hindern. Seine Botschaft ist eindeutig: Es macht keinen Sinn, zu fliehen.

Weibliche Regierungschefs


Länder, die von Frauen regiert werden, meistern die Pandemie besser – das ist kein Zufall

Zwar merkt Hancock an, dass es sich lediglich um eine "relativ kleine Zahl" von Menschen handele, welche sich nicht an die Regeln halten. Der Großteil halte sich an die Maßnahmen, lobte er. Es sei jedoch wichtiger denn je, "dass die Menschen verantwortungsbewusst sind, sich nicht nur an die Regeln halten, sondern innerhalb der Regeln den sozialen Kontakt so weit wie möglich einschränken, denn das ist tödlich ernst", erklärte er im Gespräch mit dem TV-Sender Sky.

Die neue Coronavirus-Mutation soll ersten Analysen zufolge bis zu 70 Prozent ansteckender sein. Der natürliche R-Wert soll bei 3 liegen. Eine infizierte Person würde somit drei Mitmenschen anstecken, wodurch sich ohne Schutzmaßnahmen ein exponentielles Wachstum ergeben würde.

Wissenschaft ist von Maßnahmen überzeugt

So hart die neuen Einschränkungen auch für die Weihnachtsfeiertage sind, viele wissenschaftliche Expert*innen begrüßen die schnell eingeführten Regeln. "Unabhängig von dieser neuen Coronavirusvariante sind aus rein virologischer und epidemiologischer Sicht die neuen Beschränkungen über Weihnachten und die neue, vierte Stufe [des britischen Warnsystems, Anm. d. Red.] für die am stärksten betroffenen Gebiete in London und im Südosten eine notwendige Maßnahme zur Kontrolle dieses Virus", erklärte etwa Julian Tang von der Universität Leicester gegenüber dem "Science Media Center".

Und sein Kollege Shaun Fitzgerald von der Universität von Cambridge erklärt: "Wir wissen, wie sich dieses schreckliche Virus ausbreitet. Und wir alle müssen die Übertragungswege unterbrechen. Hände, Gesicht, Raum, Lüftung – und unsere sozialen Interaktionen einschränken. Drei Haushalte sind das Maximum, nicht das Ziel. Es ist wie bei Geschwindigkeitsbegrenzungen – es ist sicherer, sie zu unterschreiten."

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