Auch Drosten äußerte sich: Streeck weist Kritik an Heinsberg-Studie in Interview zurück

Auch Drosten äußerte sich: Streeck weist Kritik an Heinsberg-Studie in Interview zurück

Der Auftritt war öffentlichkeitswirksam. In einer Pressekonferenz präsentierte der Bonner Virologe Hendrick Streeck in dieser Woche Zwischenergebnisse aus der von ihm geleiteten Heinsberg-Studie. Doch das Vorgehen stieß auf Kritik – auch von anderen Wissenschaftlern wie dem bekannten Charité-Virologen Christian Drosten. Streeck fühlt sich zu Unrecht angegriffen.

Der Virologe Hendrik Streeck hat Kritik an der Veröffentlichung eines Zwischenergebnisses zu einer Studie in der vom Coronavirus besonders betroffenen Gemeinde Gangelt in Nordrhein-Westfalen zurückgewiesen. Dem "Tagesspiegel" aus Berlin sagte der Wissenschaftler der Uni Bonn am Sonntag, dass die Feldstudie alle Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO einhalte. "Wir übererfüllen sogar diese Empfehlungen", sagte Streeck zu der Studie, die 1000 Menschen aus 400 Haushalten untersucht.

Dennoch hatte auch Christian Drosten, Chef-Virologe an der Berliner Charité Kritik am Vorgehen der Wissenschaftler in NRW geübt. „Ich habe mir gerade diese Pressekonferenz angehört auf Phoenix, und ich kann daraus nichts ableiten. Da wird einfach so wenig erklärt, dass man nicht alles versteht“, soll Drosten nach der Vorstelung der Studie bei einem vom Kölner Science Media Center organisierten Gespräch gesagt haben. Er forderte, dass wissenschaftliche Daten dieser Art zunächst in einem wissenschaftlichen Manuskript publiziert werden müssten.

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Drosten: "Kein Vorwurf, nur eine Nachfrage"

„Selbst wenn das noch nicht begutachtet ist, müsste ja zumindest mal in Manuskript-Form eine Zusammenfassung präsentiert werden, bevor man damit an die breite Öffentlichkeit geht und auch an die Politik. Sonst ist das eine Situation wie jetzt, in der man einfach nichts weiß.“ Auf Twitter stellte Drosten jedoch später klar, dass er die Heinsberg-Studie damit keinesfalls verreißen wolle. "Es gibt keinen Vorwurf an die Kollegen, nur eine Nachfrage. Diskurs ermöglicht wissenschaftliche Meinungsbildung."

 

Angesprochen auf Aussagen Drostens und auf die Frage, ob es für die Veröffentlichung zu früh gewesen sei, antwortet Streeck nun im "Tagesspiegel": "Die Veröffentlichung ist keinesfalls leichtfertig erfolgt. Wir haben bis in die Nacht auf Donnerstag darüber diskutiert, ob wir jetzt erste Daten präsentieren sollen. Wir entschieden uns dazu aus ethischen Gründen, und weil wir uns verpflichtet fühlten, einen nach wissenschaftlichen Kriterien erhobenen validen Zwischenstand vor Publikation mitzuteilen." Das sei absolut üblich.

Auf Drostens Forderung nach einem Manuskript ging Streeck ebenfalls ein. Die Daten seien alle komplett und würden nun zu einer Publikation zusammengefasst und diese würde man anschließend bei einem Journal einreichen.

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Streeck: "Das wäre nicht verantwortungsvoll"

"Zwischenergebnisse werden auf Kongressen ständig und auf der ganzen Welt mitgeteilt. Nur dies ermöglicht eine jeweils aktuelle wissenschaftliche Diskussion", verteidigt sich der Bonner Virologe weiter.  Zu behaupten, dies sei unwissenschaftlich, stimme schlichtweg nicht, beklagte der Forscher. Hätte man zunächst eine sogenannte "Peer-Review" durchführen lassen bis hin zu einer schriftlichen Publikation, wären laut Streeck Monate vergangen. "Die derzeitige so volatile Lage mit einer raschen Ausbreitung des Coronavirus lässt uns diese Zeit nicht. Das wäre nicht verantwortungsvoll", so der Forscher.

Laut dem am vergangenen Donnerstag vorgestellten Zwischenergebnis der Studie haben 15 Prozent der Bürger in der Gemeinde Gangelt nun eine Immunität gegen das Virus ausgebildet. Die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu sterben liegt demnach, bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten, bei 0,37 Prozent. Die in Deutschland derzeit von der amerikanischen Johns Hopkins University berechnete entsprechende Rate liegt mit 1,98 Prozent um das Fünffache höher.  

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