Benkert bleibt beim Thema PTA-Vertretungsbefugnis hart

Benkert bleibt beim Thema PTA-Vertretungsbefugnis hart

Viele Apotheken suchen händeringend nach Personal. Woran liegt es, dass der Nachwuchs offenbar schwer für die öffentliche Apotheke zu gewinnen ist? Und wie lässt sich einem drohenden „Personal-Kollaps“ entgegenwirken? Dies war Thema einer Diskussionsrunde bei der digitalen „Expopharm impuls“. Zur Sprache kam dabei auch der Vorschlag, PTA zumindest stundenweise eine Vertretung zu ermöglichen. Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Thomas Benkert, machte allerdings unmissverständlich klar: Für die Standesorganisation ist diese Idee gar kein Thema, sondern einfach nur „sehr gefährlich“.

Unter dem Titel „Nachwuchsgewinnung: Steuert der Apothekenmarkt auf einen Personal-Kollaps zu?“ diskutierten am gestrigen Dienstagabend der Bundesapothekerkammer-Präsident Thomas Benkert, die Vorsitzende des Saarländischen Apothekerverbands Susanne Koch, Adexa-Chef Andreas May und Bianca Partheymüller vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden. Einig waren sich alle in einem Punkt: Studierenden und Berufsanfängern muss ein positiveres Bild von der Arbeit in den Apotheken vermittelt werden. Koch macht dies nur zu gern – sie ist Apothekerin mit Leib und Seele. Doch in berufspolitischen Diskussionen geht es zumeist um die Probleme des Berufsstands, räumt auch Benkert ein.

Schon in der Universität werde den angehenden Pharmazeut:innen oft vermittelt, dass sie mit ihrer anspruchsvollen Ausbildung dort eigentlich fehl am Platze seien. Ein solches Heranziehen von Eliten gefällt Koch gar nicht, für sie als Arbeitgeberin sind nicht nur Bestnoten im Studium wichtig. Dennoch: Viele Studierende schielen eher nach einem Arbeitsplatz in der Industrie – die auch mehr Geld zahlt – oder in Krankenhäusern. Patheymüller ist dennoch überzeugt: Die öffentliche Apotheke bietet Abwechslung und vor allem Sinnhaftigkeit. Patienten und Patientinnen helfen zu können, ist für sie von besonderem Wert, das Geld spiele „nicht unbedingt eine Rolle“, meint sie – allerdings kann sie da nur für sich selbst sprechen.

Wertschätzung und ein gutes Arbeitsklima fördern die Zufriedenheit

Ein guter Verdienst ist natürlich auch wichtig – und bei der Adexa ringt man beharrlich um bessere Bezahlung, um die Apothekenberufe attraktiver zu machen. Doch die Inhaber:innen können ihren Mitarbeitenden auch weitere Annehmlichkeiten bieten, seien es flexible Arbeitszeitmodelle, klare Überstundenregeln, aktuell ein Coronabonus oder vielleicht sogar Hilfe bei der Kinderbetreuung. Es gibt viele Möglichkeiten, die Zufriedenheit beim Personal zu erhöhen, sind May wie auch Koch sicher.

Für und Wider der PTA-Vertretungsbefugnis

Doch gibt es auch Möglichkeiten, Apotheken Luft zu verschaffen, die einen kurzfristigen Engpass haben? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß hatte im August vorgeschlagen angesichts sich verschärfender Personalengpässe berufserfahrenen PTA die kurzfristige Vertretung eines Approbierten zu erlauben. 

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Während der Bundesverband der PTA diesen Aufschlag nur zu gerne aufgriff, hatte sich die BAK schnell dagegen positioniert. Susanne Koch, selbst vierfache Mutter und Inhaberin von drei Apotheken, zeigte sich hingegen offen für eine stundenweise Vertretungsmöglichkeit: Gerade mit Kindern könne es passieren, dass man als Leiterin die Apotheke kurz verlassen müsse – dann wäre es aus Kochs Sicht sehr hilfreich, wenn es ihr rechtlich erlaubt wäre, einer PTA für eine kurze Zeit die Apotheke zu überlassen. Selbstverständlich derart, dass sie selbst noch erreichbar wäre. Eine Urlaubsvertretung durch PTA kann sich auch Koch nicht vorstellen. Ähnlich sieht es May: Über eine stundenweise Vertretung müsse man zumindest reden können. Dies könne den PTA-Beruf auch aufwerten und damit attraktiver machen.

Tür und Tor geöffnet für die Abschaffung des akademischen Heilberufs?

Benkert zeigte sich in diesem Punkt allerdings unnachgiebig: Der Hochschulberuf lasse sich nicht durch PTA vertreten. „Kein Arzt würde auf die Idee kommen, sich in der Praxis von seiner Medizinischen Fachangestellten vertreten zu lassen“, betonte er. Es könne auch schlicht nicht kontrolliert werden, wann eine PTA da oder ob die Chefin wirklich erreichbar sei. Er entwickelte düstere Zukunftsszenarien: Es bestehe die Gefahr, dass hier der Weg geebnet würde für Modelle, in denen der Apotheker in einem Büro erreichbar wäre und Arzneimittel – kontrolliert über den Bildschirm – über ein Distributionszentrum im Supermarkt ausgegeben werden. Wenn die Politik sehe, es gehe stundenweise auch mit einer Ausbildung und zwei Jahren Berufsfachschule, könne sie auch auf die Idee kommen, die Apotheke gleich ganz an die Fachhochschule zu degradieren, fürchtet der BAK-Präsident. Hier ließe sich auch die PTA-Schule einschieben – und am Ende habe man ein „Mittelding“ und der akademische Heilberuf „Apotheker“ sei weg.

Koch und May sind dagegen weniger pessimistisch und stellen die praktischen Aspekte in den Vordergrund. Sie sehen durchaus die Möglichkeit, einen rechtlich sicheren Weg zu finden, der eine eng umgrenzte Vertretungsbefugnis ermöglicht. Die Diskussion dürfte noch nicht zu Ende geführt sein.

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