Brandbrief: Lauterbach soll im SGB V aufräumen

Brandbrief: Lauterbach soll im SGB V aufräumen

Nullretax, Regresse und Pandemie-bedingte Erschöpfung: Die Freie Apothekerschaft und die Interessengemeinschaft Medizin (IG Med) warnen davor, Praxen und Offizinen ausbluten zu lassen. In einem Brandbrief an Bundesgesundheitsminister Lauterbach fordern sie, endlich wieder eine gute medizinische Versorgung möglich zu machen. Dazu soll der Minister am rechtlichen Rahmen nachbessern.

„Handeln Sie jetzt, bevor Ihnen das bundesdeutsche Gesundheitswesen in Rauch und Asche aufgeht.“ Mit diesem Appell wenden sich jetzt die Freie Apothekerschaft und die Interessengemeinschaft Medizin (IG Med) hilfesuchend an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). In einem Brandbrief fordern sie ihn auf, die Sozialgesetzgebung so anzupassen, dass medizinische Versorgung wieder gelingen kann.

Ob Nullretaxationen auf Apothekenseite oder Regresse und Wirtschaftlichkeitsprüfungen auf Ärzteseite – die Heilberufler haben genug von den Gängeleien der Krankenkassen. Sie empfinden es „als Ungerechtigkeit, wie wir von der Politik, den Sozialgerichten und den Krankenkassen behandelt werden“, schreiben sie. „Und ja – unter solchen Bedingungen vergeht uns auch die Lust, weiter für die medizinische Versorgung verantwortlich zu sein und dafür auch noch eigenes Geld mitzubringen.“

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Freie Apothekerschaft und IG Med sehen inzwischen die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Deutschland in Gefahr. Praxen und Apotheken haben demnach in den vergangenen zwei Jahren die Stellung gehalten, als die Pandemie über das Land hinwegrollte – „den Flächenbrand, der aber jetzt durch die falsche politische Weichenstellung der letzten 20 Jahre und insbesondere den letzten Monaten entstanden ist, können und wollen wir nicht mehr beherrschen“. Ärzte, Apotheker und die Mitarbeitenden in den Betrieben seien „erschöpft, weil man uns seit Jahren nicht hat zur Ruhe kommen lassen und unsere Praxen und Apotheken regelrecht ausgeblutet hat“.

Brot und Butter oder Medikamente?

Verstörend ist den Autoren des Brandbriefs zufolge auch, dass es inzwischen einzelne Patienten gebe, die „sich am Ende des Monats überlegen müssen, ob sie sich noch Brot und Butter leisten können oder die Zuzahlung zu ihren Medikamenten. Es verstört uns auch deswegen, weil wir davon ausgehen, dass hier die Dunkelziffer groß sein dürfte und wir nur die verzweifelten Fälle sehen.“

IG Med und Freie Apothekerschaft wollen diese Zustände nicht länger hinnehmen, betonen sie. „Wir finden gerade zu einer neuen Geschlossenheit der Gesundheitsberufe zusammen. Sehr gerne stehen wir zu Gesprächen bereit, sind aber gleichzeitig auch inzwischen bereit, unser Gesundheitswesen vor politischem Unverstand und gesetzlich verordnetem Schaden zu bewahren.“

Die Vorstände der Freien Apothekerschaft und der IG Med hatten sich im Zuge des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes ausgetauscht und gemeinsame Aktionen verabredet. Der Brandbrief machte nun den Anfang. Den vollständigen Brief finden Sie auf der Website der Freien Apothekerschaft.

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