"Die Menschen in Wuhan sind noch immer in ihrem Zuhause gefangen"

"Die Menschen in Wuhan sind noch immer in ihrem Zuhause gefangen"

Als der stern vor knapp drei Wochen das letzte Mal mit Ao Mulin aus Wuhan sprach, waren weltweit 44.000 Menschen infiziert, die allermeisten in China. Der Seuchenexperte der chinesischen Regierung, Zhong Nanshan, ging da noch davon aus, dass der Gipfel der Epidemie wohl Mitte, spätestens aber Ende Februar erreicht sei. Ao selbst wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob er infiziert war. Zwei Wochen zuvor hatten er und seine Mutter sich zwar im Krankenhaus untersuchen lassen. Doch sogenannte NAA-Test-Kits waren da schon nicht mehr vorhanden gewesen. Eine Computertomografie (CT) zeigte allerdings bei beiden eine Lungenentzündung. Sie gingen mit Medikamenten nach Hause und setzten sich selbst unter Quarantäne.

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Bewohner von Wuhan berichtet

Drei Wochen später ist aus dem Virus-Ausbruch in der zentralchinesischen Provinz Hubei, dessen Hauptstadt Wuhan ist, eine Epidemie geworden, die sich Land für Land immer weiter in aller Welt verbreitet. Mindestens 85.000 Menschen haben sich mit Covid-19 infiziert, knapp 3000 sind daran gestorben. Die Dunkelziffern dürften noch viel höher liegen. Wie geht es Ao Mulin jetzt? Ein Anruf in Wuhan, der Elf-Millionen-Stadt, die seit über einem Monat von der Außenwelt abgeriegelt ist:

„Meiner Mutter und mir geht es besser. Vor zwei Wochen machten wir den NAA-Test und die Resultate waren negativ. Der CT-Scan zeigt, dass die Infektion in meiner Lunge bis auf einen kleinen Fleck zurückgegangenen ist. Der Arzt sagt, es wird noch einige Zeit dauern, bis das vollständig heilt. Wir bleiben weiter zu Hause. Meinen Vater können wir nicht besuchen, da er seit dem 17. Februar auf einer abgeriegelten Intensivstation liegt. Das größte Problem ist, dass seine Lunge nicht wieder arbeiten will. Er wird mit einer Maschine beatmet.

„Kontrollmaßnahmen sind noch strenger, kommen kaum noch aus dem Haus“

So wie ich es sehe, hat sich die Situation in Wuhan in den vergangenen drei Wochen nicht verbessert. Die Kontrollmaßnahmen sind noch strenger, wir kommen kaum noch aus dem Haus. Die Nachbarschaftskomitees haben es zur Pflicht gemacht, dass alle Bewohner nur noch online Essen bestellen. Wir können unser Zuhause ohne Erlaubnis gar nicht verlassen.

Was ich über die Medien erfahre, ist, dass die Ärzte-Teams noch immer überlastet sind. Die Geschichten der Patienten rühren mich oft zu Tränen. Zwar hat sich die Lage, was Material und Betten betrifft, etwas gebessert. Jetzt aber ist die Nachfrage groß nach Blutplasma von Leuten, die wieder gesund geworden sind. Die Stadt baut nun überall Blutspende-Stationen, um an mehr Blut zu kommen.

Die Angst und der Stress haben sich nicht gelöst. Vor drei Wochen war unsere größte Sorge, dass wir uns infizieren. Und wir hatten Angst, nicht rechtzeitig getestet zu werden und ein Krankenhausbett zu finden. Wir standen unter großen Druck, weil es an allen medizinischen Geräten und Medikamenten mangelte. Jetzt ist es vor allem die Angst, dass sich die Lage nicht mehr bessert. Die Stadt ist nun seit über einem Monat von der Außenwelt abgeschnitten und wir haben keine Ahnung, wie lange das noch dauern wird. Die Flut von schlechten Nachrichten jeden Tag ist überwältigend: Jeden Tag sterben Ärzte, Krankenpfleger und Patienten. Im Gegensatz zu anderen Orten hat sich in Wuhan, in der ganzen Provinz Hubei nichts verbessert. In vielen Orten Chinas haben die Menschen wieder angefangen zu arbeiten und ein normales Leben zu führen. Aber die Menschen in Wuhan sind noch immer in ihrem Zuhause gefangen.

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„Größte Sorge ist der Zustand meines Vaters“

Es gibt nun auch erste psychologische Unterstützung. Experten kommen nach Hubei, um sowohl Patienten als auch Ärzte und Krankenpfleger zu helfen. Viele Behörden und Zeitungen haben zudem Hotlines eingerichtet.

Wir haben genug zu Essen und alles, was wir für den Alltag brauchen. Es ist nur alles umständlich und kostet auch oft mehr. Die Regierung hat die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt, aber die Organisation in den Gemeinden ist nicht immer reibungslos. Manche organisieren Sammelbestellungen, andere nicht. Auch die Preise unterscheiden sich teils stark. Deshalb gibt es einige Beschwerden. Unsere größte Sorge aber ist im Moment der Zustand meines Vaters. Mit allem anderen kommen wir zurecht.“

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