Ende 30: Und plötzlich fühlst du dich alt … was nun?!

Ende 30: Und plötzlich fühlst du dich alt ... was nun?!

Dass du auf der Straße gesiezt wirst, wenn dich Teenies nach dem Weg fragen, daran hast du dich schon gewöhnt. Das war spätestens mit 28 Standard, als du noch fest überzegt warst, gar nicht viel anders auszusehen als mit 18, aber es offenbar doch tatest. Vor deinem 30. Geburtstag hattest du dann richtg schlechte Laune – wie konntest du jetzt 30 werden, du hattest doch noch gar kein Haus, kein Kind, nicht mal ein Haustier, und verheiratet warst du auch noch nicht?! Und vor allem warst du doch noch gar nicht: erwachsen?

Leider hört das Alter nicht wirklich darauf, wie wir uns fühlen. Es schubst uns einfach voran, immer weiter, ob wir bereit sind oder nicht. Und bisher bist du damit immer ganz gut klargekommen, nach einem tiefen Seufzer und etwas Dran-Gewöhnen. Die erste Hälfte der 30er war dann überraschend gut, und das mit dem Erwachsensein hast du so ganz langsam auch gelernt. Du machst brav Steuererklärungen und versuchst, all das Gemüse im Kühlschrank rechtzeitig aufzubrauchen. Du gehst nur noch einen Tag am Wochenende aus, und sicher nicht an zwei Wochenenden aufeinander. Auch den 35. überstehst du okay. "Mitte 30" klingt doch noch akzeptabel.

Leben im Alter


Gesund, ausgeglichen, zufrieden – wie wir in der zweiten Lebenshälfte zum Glück finden

„Ende 30“ ist einfach nicht mehr sexy

Und dann bist du plötzlich "Ende 30", und das klingt nicht mehr sexy. Das Schlimmste: Nachdem du bisher immer deutlich jünger geschätzt wurdest, siehst du jetzt auf einmal aus wie Ende 30. Du schaust in den Spiegel, und guckst in ein Gesicht, dass irgendwie nicht mehr recht deines zu sein scheint. Da sind tiefe Linien, die von deinen Nasenflügeln zu deinen Mundwinkeln führen, da sind tiefe Augenringe unter deinen Augen, obwohl du versuchst, genug zu schlafen und alle wichtigen Vitamine zu schlucken. Der Rest der Haut wirkt auch nicht mehr so pfirsichhaft prall wie noch vor ein paar Jahren, und du guckst dich an und ahnst plötzlich, wie das Ganze in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Wie das Gesicht einer alten Frau.

Das ist ja an sich nicht schlimm und ganz normal. Junge Frauen werden zu alten Frauen, so wie junge Männer zu alten Männern werden. Jetzt denk' nicht zuviel darauf rum, sonst sitzt du gleich ächzend am Küchentisch, Kinn auf die Hände gestützt, und sinnierst über Vergänglichkeit und den Sinn des Lebens. Das führt jetzt zu weit. Google lieber Hyaluronsäure-Unterspritzung und Botox, wir haben schließlich 2021!

Auf Augenhöhe


19 Monate alter Junge fotografiert seine Welt – mit Papas alter Kamera

Fürs Altern sollte man doch bereit sein, oder?

Und dann fragst du dich, was wohl immer mit diesem "Altern in Würde" gemeint ist. Du würdest das wirklich gern tun, bloß hast du halt so wenig Lust aufs Altern, und würdevoll findest du an deinem neuen, dauermüden Gesicht irgendwie auch nichts. Du beschließt, dass "Altern in Würde" etwas ist, mit dem man sich beschäftigen sollte, wenn man irgendwann wirklich bereit ist für das Altern. Davon bist du noch weit entfernt. Gottseidank kann man heute das ein oder andere tun, um diesen Prozess etwas rauszuschieben. Ohne sich gleich vollumfänglich liften zu lassen und damit dann wohl das zu tun, was gemeinhin als "würdeloses Altern" gilt.

Und weil du so alt bist, dass du einst noch regelmäßig "Harald Schmidt" geguckt hast, immer kurz vor (oder kurz nach?) "Fast Forward" mit Charlotte Roche, musst du daran denken, wie gern der über den körperlichen Verfall scherzte. Du weißt jetzt, was er meinte. Du denkst an deine Großeltern, bei denen du nie das Gefühl hattest, dass sie ihr Alter in Frage stellen. Auch deine Eltern scherzen höchstens mal darüber. Vielleicht hast du als Erste in dieser Familie die Zeit, eitel und oberflächlch dazusitzen und schlechte Laune wegen ein paar Fältchen zu bekommen.

Letztlich bleibt dies ein Text ohne Fazit. Gegen das Altern kannst du nichts machen – höchstens gegen ein paar seiner Anzeichen, aber auch das wohl nur eine gewisse Zeitlang – es ist ein einziger großer Mist. Irgendwann allerdings kommt vielleicht der Tag, an dem dir so Dinge wie Optik dann einfach egal werden. Du bist noch nicht völlig überzeugt davon, aber doch – vielleicht kommt er. Und dann wirst du dir beim Bäcker einen Pappteller voller Plunderstücke – irgendwas mit Pudding und klebrigem Guss – holen, sowas, das man halt laut Gesetz nur als Omi kaufen darf. Und damit setzt du dich vor deinen Fernseher, schaust Nachmittags-Quizshows und legst die Füße hoch. Und dann ist das vielleicht auch irgendwie okay.

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