Glicemia 2.0: Wegbereiter für vergütete pharmazeutische Dienstleistungen?

Glicemia 2.0: Wegbereiter für vergütete pharmazeutische Dienstleistungen?

Ein besserer HbA1c-Wert und weniger Gewicht – das passiert mit Diabetiker:innen, wenn sie bei Medikationsmanagement und Lebensstiländerung von Apotheker:innen unterstützt werden. Gezeigt hat das die Glicemia 2.0-Studie, an der Dr. Helmut Schlager, Geschäftsführer des WIPIG, sich federführend beteiligte. Die DAZ hat sich mit ihm unterhalten – auch darüber wie andere Apotheken ein solches Diabetesmanagement aufbauen können.

DAZ: Wie entstand die Idee, nach der erfolgreichen Studie GLICEMIA, bei der es um die Primärprävention von Diabetes ging, die „Wirkung“ von Apothekern auf bereits an Typ 2 Diabetes erkrankte Personen zu untersuchen?

Schlager: Hierfür gab es letztlich mehrere Auslöser. Einerseits waren wir natürlich sehr begeistert, mit der GLICEMIA-Studie zweifelsfrei wissenschaftlich und mit hoher Evidenz nachgewiesen zu haben, wie erfolgreich unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Offizin heraus „preventive care“ auf dem Feld der Primärprävention anbieten konnten. Andererseits gehören die bereits erkrankten Diabetiker zu einem eminent wichtigen Kreis an Patienten, um die sich Apotheker sehr gut kümmern. Somit wollten wir auch für diese Menschen ein strukturiertes praxisorientiertes Betreuungsprogramm im Bereich der Sekundär- und Tertiärprävention ausarbeiten. Darüber hinaus zeigten uns die Gespräche mit den Krankenkassenverbänden, dass diese unsere Arbeit zwar richtig gut fanden und lobten, letztlich aber leider keine Projekte dabei herauskamen, mit denen man einmal mutig ein honoriertes Präventionsprojekt für Apotheker hätte ausprobieren können. Hauptargument der GKV-Vertreter damals war, dass es keine gesetzlichen Grundlagen für solche Modelle gab.

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DAZ: Gab es bereits bei Studienbeginn die Idee, ein wissenschaftliches Fundament für die pharmazeutischen Dienstleistungen zu schaffen?

Schlager: So ist es. Vor Gründung des WIPIG hörte ich in einer Vorstellungsrunde zur Vorbereitung eines städtischen Präventionsprojektes einmal den Satz „Sie sind Apotheker? Was haben die denn mit Prävention zu tun?“. Das war so ein Schlüsselerlebnis. Der Vorstand der Bayerischen Landesapothekerkammer hatte ja 2007 mit der Gründung des WIPIG vor allem auch die Idee, die Apotheker besser im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung zu positionieren und seinem WIPIG unter anderem das Ziel „Erforschung und Entwicklung neuer Präventionsideen, einschließlich Projekterstellung und der Umsetzung in die Praxis.“ gesetzt. Wenn Sie damals wie heute mit ihren Partnern im Gesundheitswesen über die Möglichkeiten der Präventionsbetreuung durch Apotheker sprechen, müssen Sie natürlich auch immer mit harten Fakten und wissenschaftlichen Belegen argumentieren. Darum hat es uns auch sehr gefreut, dass die ABDA in ihrem Faktenblatt „Apotheker in der Prävention“ unter anderem auf die Präventionsmaterialien des WIPIG verweist und in ihrem politischen Argumentationspapier „Leistungsbeschreibung für ein apothekenbasiertes Programm zur Prävention von Typ-2-Diabetes“, das es schon vor Jahren auch bis ins BMG schaffte, auf unsere Studie einging. Fazit darin: „Die Studie hat gezeigt, dass das strukturierte Präventionsprogramm GLICEMIA in den öffentlichen Apotheken erfolgreich umgesetzt und ein gesundheitlicher Nutzen für die Teilnehmer erreicht werden kann. Apotheker können erfolgreich Personen dabei unterstützen, ihr erhöhtes Diabetes-Risiko zu senken. Somit besteht die Möglichkeit, ein wissenschaftlich evaluiertes Diabetes-Präventionsprogramm in öffentlichen Apotheken flächendeckend anzubieten.“ Ich denke, dass wir damit unser Scherflein dazu beigetragen haben, dass GKV-Vertreter, wie auch immer sie zu den pharmazeutischen Dienstleistungen stehen, in den Gesprächen mit dem DAV eines sicher nicht mehr postulieren können, nämlich dass es keine wissenschaftliche Evidenz für den Nutzen unserer pharmazeutischen Dienstleistungen gäbe.

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