Grippeimpfung in Apotheken: Patienten schätzen leichte Erreichbarkeit

Grippeimpfung in Apotheken: Patienten schätzen leichte Erreichbarkeit

In der kommenden Saison können Apotheken regelhaft Grippeimpfungen anbieten. Bislang war das nur im Rahmen von Modellprojekten möglich, unter anderem in Niedersachsen. Der dortige Landesapothekerverband und der Projektpartner AOK Niedersachsen legen nun Evaluationsdaten vor – und die können sich sehen lassen.

Seit dem vergangenen Freitag, mit der Verabschiedung des Pflegebonusgesetz, ist der Weg frei, dass in Apotheken in Deutschland im Rahmen der Regelversorgung gegen die saisonale Influenza geimpft werden kann. Zwar sind noch einige Details zu klären, zum Beispiel die Vergütung, aber die Politik hat die Fristen, innerhalb derer Kassen und Apothekerschaft eine Einigung erzielen müssen, so bemessen, dass die Apotheken in der bevorstehenden Grippesaison loslegen können sollten. Aus den Modellprojekten dürften die Apotheken einigen Rückenwind für diese neue Aufgabe mitnehmen, denn die Bilanz ist bislang positiv. So zeigen beispielsweise Evaluationsergebnisse des Beratungsunternehmens May und Bauer aus Nordrhein, wo Apotheken bereits die zweite Impfsaison hinter sich haben, dass die Zufriedenheit der Menschen, die sich in den Apotheken gegen Grippe haben impfen lassen, im Vergleich zur Vorsaison sogar noch gestiegen ist. Jeder Zweite gab zudem an, er hätte ohne dieses Angebot gänzlich auf die Immunisierung gegen Influenza verzichtet.

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Ähnlich sieht das Fazit in Niedersachsen aus – der dortige Landesapothekerverband und der Projektpartner AOK Niedersachsen haben am heutigen Montag in einer Mitteilung über die Ergebnisse der Evaluation, die von den Versorgungsforschern der Kassen durchgeführt wurde, informiert. Demnach nutzten in der Grippesaison 2021/2022 mehr als 1.000 Patient:innen das niedersächsische Pilotprojekt und ließen sich in Apotheken gegen Influenza impfen. Der Großteil von ihnen war zwischen 30 und 64 Jahren alt. 58 Prozent waren Frauen. 80 Prozent der Impflinge haben sich früher schon einmal gegen Influenza impfen lassen, meist beim Hausarzt.

Die am häufigsten genannten Beweggründe, warum sich jemand für die Impfung in der Apotheke entschieden hat, waren: leichte Erreichbarkeit (75 Prozent), keine Wartezeiten (65 Prozent), Vertrauen in die Kompetenz der Apotheke (59 Prozent) und günstige Öffnungszeiten (43 Prozent). Die Nachfrage stieg ab September 2021, am größten war sie mit 48 Prozent im November. Die Impfung inklusive Patientengespräch dauerte im Mittelwert 17 Minuten. 94 Prozent der in Apotheken Geimpften waren sehr zufrieden und würden sich daher wieder in einer Apotheke impfen lassen. Erste Adresse für Impfwillige sind aber der Erhebung zufolge immer noch die Arztpraxen.

„Modellprojekt wichtige Impulse für eine bessere Impfquote“

Berend Groeneveld, Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, erklärt dazu: „Das Ergebnis der Evaluation zeigt, dass das Impfangebot in Apotheken von den Patienten gut angenommen wird. Grippeschutzimpfungen in Apotheken ergänzen das bestehende Impfangebot der Haus- und Fachärzte und bieten gerade für Menschen, die bislang noch nicht von den Impfangeboten erreicht werden konnten, eine niedrigschwellige Anlaufstelle.“

Die Gesetzesänderung zum Impfangebot in Apotheken und das vorausgehende Modellprojekt seien deshalb weitere, wichtige Impulse für eine bessere Impfquote, finden AOK-Chef Jürgen Peter und LAV-Vorstandsvorsitzender Berend Groeneveld. Allein durch die niedersächsische Initiative hätten sich 20 Prozent der Teilnehmer erstmals für eine Influenza-Impfung entschieden.

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