Impf-Eklat um Helios-Chefarzt: Klinik widerspricht zweifelhaften Aussagen auf Demo

Impf-Eklat um Helios-Chefarzt: Klinik widerspricht zweifelhaften Aussagen auf Demo

Der Streit um den Chefarzt der neurologischen Abteilung der Helios St. Marienberg Klinik Jozef Rakicky geht in die nächste Runde. Nach kritischen Äußerungen des Arztes zum Thema Impfen auf einer Kundgebung in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) haben sich nun fast alle niedergelassenen Ärzte aus Königslutter mit einem gemeinsamen Schreiben an das Helios Klinikum gewandt und ein Statement gefordert.

Arzt als Impfgegner – Kollegen treten Aussagen entschieden entgegen

In dem Schreiben verwahren sich die Ärzte nicht nur gegen die Behauptung, man würde vor allem aus finanziellen Gründen impfen. Man möchte auch dem Eindruck entgegen treten, es würde eine relevante Anzahl an schweigenden Ärzten geben, die die Ansicht Rakickys teilten.

Außerdem wird eine zeitnahe Stellungnahme des Klinikums bezüglich der Aussagen Rakickys gefordert beziehungsweise Belege für die Behauptungen zur Häufung von relevanten Impfnebenwirkungen, so es sie denn gebe. Die Ärzte zweifeln sogar daran, dass ihre Patienten in der neurologischen Abteilung des Klinikums noch gut aufgehoben seien und stellen die Zusammenarbeit in Frage.

"Nicht die Meinung von Helios"

Auf Anfrage von "regionalHeute.de" stellt Helios-Pressesprecherin Lisa Iffland noch einmal klar, dass man sich von den Äußerungen von Jozef Rakicky klar distanziere. Er vertrete als Privatperson ausdrücklich nicht die Meinung von Helios. Außerdem möchte man noch einmal deutlich machen, dass Helios klar hinter dem Impfen gegen Covid-19 stehe. Es habe vermehrt Impfangebote und -kampagnen in der Klinik gegeben und auch unter den Mitarbeiter könne man eine hohe Impfquote bestätigen.

In der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt würden jährlich rund 16.000 stationäre und 21.000 ambulante Patienten behandelt. "Seit Beginn der im Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie gestarteten Impfkampagne Ende Dezember 2020 wurden auch bei uns Menschen mit Verdacht auf Impfreaktionen und –nebenwirkungen behandelt. Eine Statistik hierüber führen wir nicht und verweisen in dem Zusammenhang auf Erhebungen des Paul-Ehrlich-Instituts", so Iffland. Weitere Produkte auf BestCheck.de

Klinik-Sprecherin: "Definitiv falsch ist, dass wir täglich Menschen mit schweren Impfschäden behandeln"

Zudem sei wichtig zu berücksichtigen, dass ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen einer Impfung und einer Erkrankung naturgemäß und in der Regel nicht nachgewiesen oder ausgeschlossen werden könne. "Definitiv falsch ist jedoch, dass wir täglich Menschen mit schweren Impfschäden behandeln. Dass wir entsprechende Fälle aktiv vertuschen würden, weisen wir entschieden von uns", so die Kliniksprecherin.

Das Schreiben der niedergelassenen Ärzte habe die Klinik am heutigen Freitag erreicht. Man habe großes Interesse, die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in Helmstedt und der Region beizubehalten. Man habe seitens der Klinik bereits gestern das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Helmstedt und dem Ärzteverein Helmstedt, gesucht. "Wir werden außerdem weitere Niedergelassene aus der Region kontaktieren und ihnen jederzeit einen Termin anbieten, falls Gesprächsbedarf besteht", betont Iffland.

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Impfgegner-Arzt stellt kontroverse Thesen auf – und liefert keine Beweise

In einem Video auf Facebook ist der Helmstedter Arzt zu sehen, wie er auf einer Demonstration eine Rede hält. Rakicky wird übrigens nur als Chefarzt vorgestellt. In welcher Fachrichtung er praktiziert, verschweigt das Facebook-Video.

Bei seiner Protest-Rede stellt Rakicky zum Teil sehr kontroverse Thesen auf: Covid-19 rechtfertige keine Maßnahmen, Impfungen seien ebenso wirkungslos wie gefährlich und überhaupt würden alle nur Geld an der Impfung verdienen wollen. Beweise dafür bleibt er schuldig.

Jozef Rakicky. Rakicky, der für die AfD nicht nur im Kreistag sitzt, sondern auch Landrat des Kreises Helmstedt werden wollte, behauptet weiter auf der Kundgebung, dass er täglich schwere Fälle von Impfschäden zu behandeln habe: Lähmungen, Nervenentzündungen, sogar Sinusvenenthrombosen müsse er wegen der Impfungen heilen.

Diese Zahlen würden aber nicht offen kommuniziert. Und überhaupt sei ein großer, aber schweigender Teil der Ärzteschaft seiner Meinung. Warum und wer, das lässt Rakicky offen.

Personelle Konsequenzen?

Ob Rakicky personelle Konsequenzen zu befürchten hat, lässt das Klinikum offen. "Wir führen derzeit Gespräche mit Herrn Rakicky. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu Personalangelegenheiten auch aus Gründen des Datenschutzes nicht weiter äußern können", so Lisa Iffland.

Dieser Artikel wurde verfasst von Alexander Dontscheff und Niklas Eppert

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Das Original zu diesem Beitrag „Impf-Eklat um Helios-Chefarzt: Klinik widerspricht zweifelhaften Aussagen auf Demo“ stammt von regionalHeute.de.

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