Infektionszahlen explodieren nach Lockerungen – Niederlande ziehen Konsequenzen

Infektionszahlen explodieren nach Lockerungen – Niederlande ziehen Konsequenzen

Dass es inmitten einer Pandemie keine gute Idee ist, nahezu alle Infektionsschutzregeln über Bord zu werfen, ist nach mehr als anderthalb Jahren Coronavirus eigentlich eine Binse.

Den letzten Beweis dafür liefern derzeit die Niederlande, wo derzeit die Infektionszahlen explosionsartig ansteigen – kurz nachdem die Regierung weitreichende Lockerungen für die gut 17 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner beschlossen hat.

Steigende Zahlen in den Niederlanden

An diesem Samstag (10. Juli) wurden laut Johns-Hopkins-Universität 10.299 neue Infektionen mit dem Sars-Cov-2-Erreger registriert, nach 1215 am Samstag vor einer Woche und 563 in der Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen fast bei 100.

Just vor zwei Wochen, zum 26. Juni, hatte die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte nahezu alle Beschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen befand sich seinerzeit in einem wochenlangen Sinkflug.

Masken mussten nur noch getragen werden, wenn die 1,5-Meter-Abstandsregel nicht eingehalten werden kann, also zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Gastronomie öffnete wieder nahezu uneingeschränkt, auch die Tanzflächen in den Clubs und Diskotheken vom Amsterdam, Groningen oder Eindhoven füllten sich wieder. Die einzige Regel: Abstand.

Kritiker bezeichneten die Lockerungen von Anfang an als fahrlässig. Inzwischen sieht es so aus, als behielten sie recht. Allein in einer Diskothek in Enschede nahe der deutschen Grenze hatten sich rund 600 Menschen infiziert, vor allem Jugendliche, obwohl der Zugang nur mit negativem Testergebnis möglich sein sollte.




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Nach zwei Wochen schnuppern am alten Leben ist jetzt wieder Schluss damit. Die Regierung zieht dem Nachtleben den Stecker, auch die übrige Gastronomie wird wieder eingeschränkt: Discos und Nachtclubs müssen erneut schließen, Restaurants dürfen zudem nur noch bis Mitternacht öffnen. Auch Live-Musik, Festivals und andere Großveranstaltungen, bei denen kein Sicherheitsabstand eingehalten werden kann, sind jetzt wieder verboten – und zwar ab sofort und mindestens bis zum 13. August. "Im Moment schießen die Infektionsraten in die Höhe, hauptsächlich wegen der hochansteckenden Delta-Variante", sagte Ministerpräsident Rutte. Man habe "keine anderer Wahl". Die Regierung sieht das Nachtleben als Haupttreiber für die ansteigenden Infektionszahlen an. 

Coronavirus bedroht Tourismuswirtschaft

Die Pandemie wieder einzudämmen ist auch angesichts der Urlaubssaison wichtig für das Land. Sollten die Niederlande von anderen Staaten wieder zum Risikogebiet erklärt werden, könnte dies erhebliche Folgen für die Tourismuswirtschaft haben.

Nach Regierungsangaben sind inzwischen rund 40 Prozent der Niederländerinnen und Niederländer gegen das Coronavirus geimpft. Zwei Drittel haben demnach zumindest eine Spritze erhalten.

Die Regierung stand schon häufiger wegen ihres als zu locker bewerteten Umgangs mit der Pandemie in der Kritik. Unter anderem führte sie erst vergleichsweise spät eine Maskenpflicht ein. Erst nachdem die Pandemie außer Kontrolle zu geraten drohte, reagierte sie drastischer, unter anderem mit nächtlichen Ausgangssperren.

Steigende Infektionszahlen


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Bislang wurden in dem Land insgesamt fast 1,8 Millionen Coronavirus-Infektionen nachgewiesen, rund 18.000 Menschen starben infolge einer Ansteckung. Zum Vergleich: Im fast fünf Mal so großen Deutschland gab es bislang rund 3,8 Millionen erfasste Infektionen und gut 90.000 Tote.

Zumindest was die Todeszahlen angeht, haben die Lockerungen in den Niederlanden bisher keine dramatischen Auswirkungen. Sie liegen seit Wochen konstant bei teils deutlich unter zehn Toten am Tag.

Jenseits der Grenze, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, sind derweil ebenfalls Lockerungen in Kraft getreten. Unter anderem dürfen dort Diskotheken und Clubs unter gewissen Voraussetzungen wieder öffnen. In beiden Bundesländern stiegen zuletzt ebenfalls die Zahlen der täglichen Neuinfektionen und die Sieben-Tage-Inzidenzen.

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