Island-Studie weist Antikörper bei Genesenen nach 4 Monaten in gleicher Menge nach

Island-Studie weist Antikörper bei Genesenen nach 4 Monaten in gleicher Menge nach

Die Frage, wie schnell die Immunität nach einer Corona-Infektion abnimmt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Gute Nachrichten gibt es jetzt aus Island: Eine groß angelegte Studie zeigt, dass die Anzahl der Antikörper dort bei 90 Prozent der Genesenen seit vier Monaten konstant ist.

Island zählt zu den Ländern, die die Coronakrise sehr gut im Griff haben – bisher hat es insgesamt „nur“ zehn Todesfälle bei 2128 Infizierten zu verzeichnen, was nicht zuletzt an den frühen Massentests und der schnellen Einführung einer Corona-Tracing-App gelegen haben dürfte.

Doch nicht nur das. Die Mehrheit der inzwischen genesenen Isländer ist auch Monate später noch immun gegen das Virus. Nach einer Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde, haben mehr als 90 Prozent von ihnen Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt. Die Anzahl derer ist auch vier Monate nach der Erkrankung konstant geblieben.

Ihre Ergebnisse stehen damit im Widerspruch zu anderen wissenschaftlichen Studien, die von einer schnellen Abnahme von Antikörpern berichten. In einer im Fachblatt „Nature“ veröffentlichten Studie stellten chinesische Forscher etwa bereits im Juni fest, dass 40 Prozent der asymptomatischen Virusträger nach nur drei Monaten keinerlei nachweisbare Antikörper mehr im Blut aufwiesen.

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Antikörper bei Genesenen vier Monate später in gleicher Menge nachweisbar

Für ihre Untersuchung haben die Forscher um Kari Stefansson, Gründer des Unternehmens „deCODE genetics“, das sich in der Regel mit Erbgutanalysen befasst, Antikörpertests bei etwa 30.000 Menschen in Island durchgeführt. Dafür haben sie sechs verschiedene Tests genutzt, darunter zwei Tests, die alle Antikörperklassen erfassen.

Unter den getesteten Personen befanden sich 1237, die nachweislich an Covid-19 erkrankt waren, 4222 Menschen, die mit dem Coronavirus in Berührung gekommen waren und sich in Quarantäne begeben hatten und 23.452, die nicht exponiert waren.

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Dabei kamen die Forscher zu folgenden Ergebnissen: Von den nachweislich erkrankten und inzwischen genesenen Personen hatten 91 Prozent Antikörper im Blut – und sind damit seropositiv. Die Anzahl der Antikörper war in den ersten beiden Monaten nach der Diagnose laut beiden Tests gestiegen und blieb auch nach Ende der Studie zwei Monate später noch auf dem gleichen Level. Von den unter Quarantäne gestellten Personen konnten die Forscher bei 2,3 Prozent Antikörper nachweisen. Bei den nicht-exponierten Personen waren es 0,3 Prozent.

Die Forscher schätzen die Seroprävalenz (als Seroprävalenz bezeichnet man die Häufigkeit spezifischer Antikörper im Blutserum, die auf eine bestehende oder durchgemachte Infektionskrankheit hinweisen, Anm. d. Red). in der isländischen Bevölkerung auf insgesamt 0,9 Prozent. Da bisher nur zehn Personen in Island an der Infektion starben, beträgt die Infection-Fatality-Rate (IFR) nur 0,3 Prozent – die IFR gibt den Anteil der Todesfälle unter allen Infizierten an. 

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Viele Infektionen in Island durch das Netz gefallen

Von den Corona-Infektionen wurden laut Stefansson allerdings nur 56 Prozent durch Abstrich-Untersuchungen (PCR-Nachweis) erfasst. 14 Prozent, die sich in Quarantäne befanden, waren infiziert, aber nicht getestet worden. Die übrigen 30 Prozent der Infizierten seien offenbar durch das Raster gefallen. Konkret bedeutet das: 44 Prozent der mit Sars-CoV-2 infizierten Isländer wurden nicht mittels eines PCR-Tests diagnostiziert.

Das umfassende PCR-Screening und die Quarantänemaßnahmen seien demnach lückenhaft gewesen, so das Fazit der Forscher. Damit dürfe angenommen werden, dass die Epidemie ohne zusätzliche Maßnahmen wie Social Distancing, das in Island zögerlich, aber letztlich dann konsequent eingeführt wurde, nicht eingedämmt worden wäre.

Seroprävalenz auf andere Länder übertragbar

Zu der Studie haben sich bereits mehrere Wissenschaftler geäußert, die selbst nicht daran beteiligt waren. "Die Beobachtung über die Dauer der Nachweisbarkeit der Antikörper ist sehr wichtig und sicher auf andere Länder übertragbar", schätzt Gérard Krause, Leiter der Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung die Ergebnisse ein. Andere Ergebnisse, wie etwa zur Infektionssterblichkeit, hält er für weniger übertragbar auf andere Länder. 

Ähnlich äußert sich Bernd Salzberger, Bereichsleiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg: "Die Studie ist interessant in Bezug auf die Seroprävalenz, hier sind Methodik und Ergebnisse gut, interessant, neu und nachvollziehbar." Allerdings sei eine Schätzung der Infektionssterblichkeit anhand von nur zehn Todesfällen sehr unsicher.

Für gut gemacht hält auch Christian Althaus, Leiter der Forschungsgruppe Immuno-Epidemiologie an der Universität Bern in der Schweiz die Studie. Er gibt aber zu Bedenken: "Antikörpernachweis bedeutet nicht unbedingt Immunität, genau so wie man aufgrund von keinen Antikörpern nicht auf keine Immunität schließen kann. Wer aber bereits Antikörper hat, könnte vor einer eventuellen Neuinfektion besser geschützt sein, beziehungsweise einen milderen Verlauf der Krankheit durchmachen. Wie das genau ablaufen wird, ist vorläufig jedoch noch unklar."

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck bewertet die Studie positiv. Er hält auch die in der Studie ermittelte IFR für plausibel, die Ergebnisse passten zu denen weiterer Analysen – etwa denen der Heinsberg-Studie, an der er selbst federführend beteiligt war.

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