Langzeitstudie: Übergewichtige Kinder erkranken später wohl eher an Demenz

Langzeitstudie: Übergewichtige Kinder erkranken später wohl eher an Demenz

Erst wird der Autoschlüssel verlegt, dann der eigene Name. Wenn das große Vergessen einsetzt, die Demenz am Erinnerungsvermögen knabbert, verschwindet auch der Mensch nach und nach. "Demenz raubt Millionen Menschen das Gedächtnis, die Unabhängigkeit und die Würde, aber sie raubt uns anderen auch die Menschen, die wir kennen und lieben", sagte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Vorstellung einer Studie im vergangenen Jahr. Darin ist von einem rasanten Anstieg der Fallzahlen zu lesen. Welche Faktoren beeinflussen den kognitiven Verfall? Wie ist er aufzuhalten? Im "Journal of Science and Medicine in Sport" wurden nun die Ergebnisse einer Langzeitstudie veröffentlicht. Sie legen nahe, dass die Präventionsarbeit schon in der Kindheit beginnen sollte.

Basis der Langzeitstudie sind Fitnesstests, mit denen 1985 in Australien gestartet wurde. 1244 Kinder, im Alter zwischen 7 und 15 Jahren, nahmen an der Untersuchung teil. Drei Jahrzehnte später wurden diese Kinder als Erwachsene erneut untersucht. Diesmal wurden die kognitiven Fähigkeiten geprüft. Dabei stellte das Forscherteam fest, dass Menschen, die als Kind dünner und fitter gewesen waren, als Erwachsene auch fitter im Kopf waren. Und dass sie dadurch möglicherweise weniger anfällig sind, später an Demenz zu erkranken. 

Alzheimer und Demenz


Vom Erinnern und Vergessen – Eine Psychologin gibt hilfreiche Tipps für Demenzkranke und ihre Angehörigen

Mittel gegen Demenz: Fitter Körper, fitter Kopf

Wie wichtig ist die Fitness eines Kindes für die spätere Gesundheit? Um dies herauszufinden, wurden die Kids auf den Sportplatz geschickt. Dort wurde gestoppt, wie schnell sie eine Meile (etwa 1620 Meter) laufen können und wie viel Zeit sie für den 50-Meter-Sprint benötigen. Wie weit sie springen können und wie viele Liegestütze sie in 30 Sekunden schaffen. Außerdem wurde das Maßband am Bauch angelegt, geprüft wie das Verhältnis zu Taille und Hüfte ist. 

Danach passierte 30 Jahre lang erst einmal nichts. Die Kinder wurden zu Erwachsenen, lebten ihr Leben, ohne dass sie von den Wissenschaftler:innen weiter behelligt wurden – bis 2017. In diesem Jahr ging die Studie in Phase zwei. Die Gesundheit der Kinder von damals, die inzwischen zwischen 39 und 50 Jahren alt sind, wurde erneut unter die Lupe genommen Nun aber stand nicht mehr die Muskelkraft im Fokus, sondern das Denkvermögen. Geprüft wurde Reaktionszeit, Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeitsspanne. Und tatsächlich schnitten bei diesen Tests Menschen, die als Kinder im Vergleich dünner und fitter gewesen waren, besser ab. Eine mögliche Erklärung: Die sportliche Betätigung im Kindesalter sorgt für eine frühe Stärkung der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen. 

Das Gehirn stark gegen Demenz machen

Für die Forschung ist dies eine interessante Beobachtung. Denn es gibt schon länger Hinweise, dass ein Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten im mittleren Alter die Wahrscheinlichkeit einer Demenz im Alter erhöht. So kam beispielsweise eine Studie, die vom französischen Forschungsinstitut Inserm durchgeführt wurde, bereits vor knapp 10 Jahren zu dem Schluss, dass sehr dicke, aber sonst gesunde Menschen, besonders anfällig für kognitive Störungen und damit auch Demenz seien. An der Untersuchung hatten 6401 Teilnehmer teilgenommen. 

Was man über Alzheimer-Demenz wissen sollte

Die Ergebnisse der australischen Studie legen nun nahe, dass dem drohende kognitiven Verfall jedoch bereits früh etwas entgegen gesetzt werden könnte. So könne es sinnvoll sein, mit Schutzstrategien – "geringe Fitness verbessern und die Fettleibigkeit in der Kindheit verringern",  schon in der Kindheit anzusetzen. "Sciencedaily" zitiert Michele Callisaya von der Monash University in Melbourne und Hauptautorin der Studie. Sie hält dies für notwendig, "damit das Gehirn ausreichende Reserven gegen die Entwicklung von Krankheiten wie Demenz entwickeln kann". 

In einem Informationsblatt der Deutschen Alzheimer Gesellschaft aus dem Jahr 2020 wird die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen in Deutschland auf 1,6 Millionen geschätzt. Die meisten von ihnen sind an Alzheimer erkrankt. Jährlich kommen demnach mehr als 300.000 Neuerkrankte hinzu. Im Jahr 2050 könnten laut den Berechnungen zwischen 2,4 und 2,8 Millionen Menschen an Demenz erkrankt sein. Katrin Seeher, eine WHO-Expertin, nannte im vergangenen Jahr Faktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und soziale Isolation, Rauchen, Alkohol und auch Übergewicht als Faktoren, die eine Demenz begünstigen. Mit einem gesünderen Lebensstil, guter Schulbildung und intakten Sozialkontakten könne ein jeder sein Demenz-Risiko minimieren. 


Quelle: Journal of science and Medicine in Sport, Neurology, Sciencedaily, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Tagesschau

Quelle: Den ganzen Artikel lesen