Oft unbemerkt: Eine Million infiziert sich täglich mit Geschlechtskrankheiten

Oft unbemerkt: Eine Million infiziert sich täglich mit Geschlechtskrankheiten

Erwischen kann es jeden, aber viele glauben, dass sie sich nicht mit einer Geschlechtskrankheit infizieren können. Weit gefehlt, denn nicht bei allen liegt der Grund in häufig wechselnden Sexualpartnern. Auch die Treuesten können sich anstecken.

Weltweit gibt es mehr als 30 verschiedene Geschlechtskrankheiten. Die Symptome reichen von unangenehm bis zu lebensgefährlich. Bei der Therapie im Anfangsstadium sind Antibiotika das Mittel der Wahl.

Syphilis kann unbehandelt tödlich enden

Syphilis ist seit mehr als fünf Jahrhunderten bekannt. Auslöser der Krankheit ist ein Bakterium; übertragen wird die Krankheit vor allem bei sexuellen Kontakten. Aber auch eine kontaminierte Blutkonserve kann gefährlich sein, genauso wie Spritzenbesteck bei Drogenabhängigen.

Wenn beide Personen kleine Wunden oder Verletzungen im Mund haben, kann das Bakterium bereits beim Küssen weitergegeben werden. Ist eine Schwangere infiziert, kann sie das Bakterium an das Ungeborene übertragen. Wird die Syphilis nicht behandelt, kann das im schlimmsten Fall mit dem Tod enden.

Die Syphilis verläuft in verschiedenen Stadien. Sie beginnt mit Knötchen und Geschwüren auf der Haut. Im Endstadium kann es u.a. zu Meningitis und Lähmung der Hirnnerven kommen.

Gonorrhoe ist hochinfektiös – auch bei Fingerkontakt

Die Gonorrhoe – auch bekannt als Tripper – ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Auslöser sind Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae). Sie befallen die Schleimhäute von Harn- und Geschlechtsorganen. Die Infektion ist hochansteckend.

Die Infektion findet beim ungeschützten Sex und Oralverkehr, bei Fingerkontakt und Petting statt. Gonorrhoe kann aber auch bei der Geburt einer infizierten Mutter auf das Kind übertragen werden.

Die Symptome bei Männern und bei Frauen ähneln sich: Frauen haben einen Ausfluss aus der Scheide und / oder Harnröhre, Juckreiz und Schmerzen beim Sex. Bei Männern sind Ausfluss aus dem Penis und / oder Po und Schmerzen beim Wasserlassen ein möglicher Hinweis auf Gonorrhoe.

Foto: dpa  

Auch diese Geschlechtskrankheit wird mit Antibiotika behandelt. Allerdings sind inzwischen einige Gonokokkenstämme resistent gegen die übliche antibiotische Gonorrhoe Therapie geworden. Deshalb wird Tripper (Gonorrhoe) heutzutage mit einer Kombination von zwei Antibiotika behandelt, da ein Präparat allein keine ausreichende Sicherheit mehr bietet.

Chlamydien können unfruchtbar machen

Chlamydien sind die weltweit am häufigsten übertragene STI (sexuell übertragbare Infektionen). Verantwortlich ist das Bakterium Chlamydia trachomatis. Vor allem Frauen stecken sich an, viele ohne es zu merken.

Direkter Kontakt mit infektiösen Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten können Chlamydien auslösen, etwa bei ungeschütztem Vaginal- und Oralverkehr. Die Infektion kann aber auch über Gegenstände wie Sexspielzeug übertragen werden. Schwangere können Chlamydien bei der Geburt auf ihr Kind übertragen.

Die gängige Therapie besteht in der Gabe eines Antibiotikums über den Zeitraum von sieben Tagen. Dann ist die Infektion in den meisten Fällen ausgestanden. Ohne Behandlung können Chlamydien bei Frauen und bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.

Hepatitis B kann sich über Rasierer übertragen und ist meldepflichtig

Es gibt verschiedene Hepatitis-Varianten. Hepatitis B ist eine Geschlechtskrankheit. Auslöser ist das gleichnamige HB-Virus. Es wird über Samen- oder Scheidenflüssigkeit bei Vaginal-, Anal-, und Oralsex übertragen, aber auch über Speichel, Urin und sogar über Tränen.

Bei Neugeborenen und Kleinstkindern besteht die Gefahr, dass eine infizierte Mutter die Infektion über die Muttermilch weitergibt.

Wenn man den Rasierer oder die Zahnbürste von Infizierten verwendet, kann man sich ebenfalls anstecken. Ist das Gerät nicht absolut hygienisch und frei von Erregern, können Piercen und Tätowieren eine Gefahr darstellen.

Foto: dpa Die „Safer Sex“ Kampagne.  

Früher wurde das Virus häufiger bei Bluttransfusionen oder während einer Operation weitergegeben. Mittlerweile gibt es engmaschige Kontrollen.

Humane Papillomaviren sind weit verbreitet – geringer Körperkontakt reicht schon aus

Fast jeder sexuell aktive Mensch steckt sich im Laufe seines Lebens mit Humanen Papillomaviren an, auch ohne Geschlechtsverkehr. Schon bei geringem Körperkontakt mit einer infizierten Person oder auch in der Sauna ist eine Ansteckung möglich.

Insgesamt gibt es über 200 Varianten. Einige davon gehören zu den sogenannten Niedrigrisiko-Typen. Sie verursachen Feigwarzen oder auch Genitalwarzen, stecknadelkopfgroße Knötchen, die sich an den Genitalien bilden.

Daneben aber gibt es Hochrisiko-Typen. Bleiben diese Viren lange im Körper, kann es zu Zellveränderungen und zu Krebsvorstufen kommen. Aus diesen kann sich im Laufe der Jahre Krebs entwickeln. Bei Frauen ist das vor allem der gefährliche Gebärmutterhalskrebs, bei Männern Krebs im Mund- und im Rachenraum.

Seit Ende September 2006 gibt es eine Impfung gegen einige HPV-Typen, 2015 wurde ein weiterer Impfstoff zugelassen. Die Impfung ist vor allem für Kinder und Jugendliche von 9 bis 14 Jahren.

AIDS ist durch antiretrovirale Medikamente behandelbar

Das HI-Virus schädigt das körpereigene Immunsystem und kann irgendwann zu der gefürchteten AIDS-Erkrankung führen. AIDS und HIV sind nicht dasselbe. AIDS ist die Abkürzung für "Acquired Immune Deficiency Syndrome", steht also für die erworbene Schwäche des Immunsystems. HIV bezeichnet die eigentliche Infektion mit dem Virus.

Übertragen werden kann HIV über den Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten wie Sperma, Scheidenflüssigkeit, beim Geschlechtsverkehr, aber auch über Blut.

AIDS hat sich in den letzten 40 Jahren von einer tödlichen Krankheit zu einer chronischen Krankheit entwickelt, mit der es sich bei entsprechender Therapie und mit Medikamenten durchaus leben lässt.

Seit 1996 sind antiretrovirale Medikamente das Mittel der Wahl. Diese Medikamente müssen täglich eingenommen werden, und das ein Leben lang. Sie verhindern, dass sich die Viren im Körper weiter ausbreiten und es zu AIDS kommt.

Auch bei der Vorsorge hat sich einiges getan: Die sogenannte HIV-PrEP. HIV-negative Menschen können sie einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Wenn sie richtig angewendet wird, schützt die PrEP so gut wie Kondome.

Vor allem Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko erhalten die PrEP. Zu dieser Gruppe gehören beispielsweise Männer, die Sex mit Männern haben oder Partnerinnen von Menschen mit HIV. Die "Prä-Expositions-Prophylaxe" kann vor einer Ansteckung mit HIV schützen, aber nicht vor anderen STIs.

Autor: Gudrun Heise

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Das Original zu diesem Beitrag „Die häufigsten Geschlechtskrankheiten“ stammt von Deutsche Welle.

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