Pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) sind eine super Sache – so weit, so einig die Apothekerschaft. Aber der Einstieg in die Umsetzung ist dann doch nicht immer einfach. Wie dieser trotz begrenzter Ressourcen an Zeit, Geld und Personal gelingt und wie man Kundschaft, Ärzteschaft und auch das eigene Team für pDL gewinnt, dafür gab Dr. Katja Renner heute Morgen auf der INTERPHARM Tipps aus der Praxis.
Die Offizin steht voll, Lieferengpässe sind zu managen und das Telefon steht auch nicht still. Dazwischen noch Luft für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) zu finden, ist für manche Apothekenteams eine echte Herausforderung – aber keine nicht schaffbare, wenn alle an einem Strang ziehen. Das wurde im heutigen INTERPHARM-Auftaktvortrag von Dr. Katja Renner deutlich, die auch viele Tipps für die Ansprache von Ärzte- und Kundschaft sowie der Apothekenteams hatte.
Wie sage ich’s dem Team?
Endlich mehr pharmazeutisch arbeiten. Das ist ein Wunsch von vielen Apothekenmitarbeitenden und die Vorstellung, hierfür die Gelegenheit zu bekommen, dürfte bei einigen auf Begeisterung stoßen und zum Mitmachen motivieren. Zu Beginn biete sich eine Teamschulung an, so Renner, bei der auch möglichst alle Mitarbeitenden zu Wort kommen sollen.
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Nebst möglichen Bedenken, die so ausgeräumt werden können, kann hier auch besprochen werden, wer an welcher Aufgabe Freude hätte. So können Bewerbung, Kundenansprache, Durchführung und Abrechnung auf viele Schultern verteilt werden, um niemanden zu überlasten.
Wie sage ich’s dem Chef/der Chefin?
Für die Durchführung von pDL in der Apotheke sprächen viele Argumente, so Renner. Vielleicht lässt sich Ihre Apothekenleitung mit einem dieser Aspekte überzeugen?
- pDL fördern die Kundenbindung
- Mit pDL erhöht sich die Arbeitsplatzattraktivität, besonders für junge Mitarbeitende
- Durch pDL setzt sich die Apotheke klar vom Versandhandel ab
Wie sage ich’s den Kunden?
Hinweis auf der Homepage oder in den sozialen Medien, Werbung mittels Flyer oder in der Lokalzeitung, Aktionen bei Gesundheitstagen oder Vorträge beispielsweise für Selbsthilfegruppen – es gibt viele Möglichkeiten, die (potenzielle) Kundschaft auf das Angebot der pDL hinzuweisen. Am effektivsten ist in der Erfahrung von Frau Renner jedoch die persönliche Kundenansprache, beispielsweise wenn ein Rezept über ein inhalatives Arzneimittel oder Blutdruckmedikamente eingelöst wird. Dabei sei es sinnvoll, den Nutzen für die Patient:innen in den Vordergrund zu stellen, etwa mit Sätzen wie:
Nach der Schulung sind Sie sich sicher, dass Sie das Spray richtig anwenden können und es Ihnen gut hilft.
Sie erhalten anschließend einen protokollierten Blutdruckwert von mir, den Sie auch bei ihrem nächsten Arztbesuch vorzeigen können.
Bestimmt kann ich Ihnen noch den ein oder anderen Tipp geben, wenn wir Ihre Medikation gründlich besprochen haben.
Wie sage ich’s dem Arzt/der Ärztin?
Auch Ärzt:innen in der Nähe zu informieren, sei ein sinnvoller Ansatz, so Renner. Für das Gespräch kann auch ein anderer Aufhänger, wie beispielsweise die aktuellen Lieferengpässe, gewählt werden. Findet ein persönliches Gespräch statt, bietet die Homepage der ABDA einen Foliensatz, der speziell auf diese Gespräche zugeschnitten ist. Wer besonders effizient vorgehen und möglichst viele Hausärzt:innen erreichen wolle, könne auch beispielsweise mit Hausärzteverbänden in Kontakt treten und Vorträge bei deren Qualitätszirkeln anbieten.
Auch hier gilt: Vorteile für die Ärzt:innen, wie beispielsweise das Angebot, diesen einen Überblick über die Selbstmedikation der Patient:innen zur Verfügung zu stellen, sollten Teil solcher Gespräche und Vorträge sein.
Sind alle Beteiligten so „an Bord“ geholt, dürfte der Einstieg in die pharmazeutischen Dienstleistungen um einiges leichter fallen. Und diese sind, so wird in Renners Vortrag deutlich, eine Chance für die Apothekerschaft, die sich diese nicht entgehen lassen sollte.
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