Qual der Wahl: Warum Entscheidungen uns so schwerfallen – und wie wir sie endlich treffen

Qual der Wahl: Warum Entscheidungen uns so schwerfallen – und wie wir sie endlich treffen

Die Snooze-Taste drücken und weiterschlafen oder direkt aufstehen? Zuerst schnell unter die Dusche, um wach zu werden – oder doch lieber erstmal einen Kaffee trinken? In das schicke Business-Outfit schlüpfen oder heute mal leger unterwegs sein? Tag für Tag versuchen wir, auf diese und ähnliche Fragen antworten zu finden. Entscheidungen begegnen uns also schon früh morgens, wenn wir noch halb im Land der Träume sind. Man geht davon aus, dass wir jeden Tag rund 20.000 Entscheidungen treffen, die meisten davon unbewusst und innerhalb von Millisekunden.

Entscheidungen zu treffen sind wir also eigentlich gewohnt. Trotzdem tun wir uns häufig schwer damit, sobald wir bewusst eine Wahl treffen müssen. Studien konnten sogar zeigen, dass Menschen mit steigenden Entscheidungsmöglichkeiten immer unglücklicher werden. Aber warum ist das so? Familientherapeutin Birgit Salewski erklärt das Phänomen im Gespräch mit dem “Bayerischen Rundfunk“ so: “Viele Menschen haben Angst sich festzulegen, weil sie befürchten, sich möglicherweise falsch zu entscheiden. Das heißt, sie vertrauen ihrem Urteilsvermögen nicht oder nicht ausreichend.“

Entscheidungen: Warum tun wir uns so schwer damit?

Was ist, wenn die Entscheidung falsch ist? Eine Frage, die sich sicher jeder von uns schon einmal gestellt hat. Dabei kann es sich um etwas Banales wie den Kauf eines Kleides drehen – oder um eine lebensverändernde Entscheidung für eine Hochzeit oder eine Schwangerschaft. Eine Garantie für die richtige Entscheidung werden wir nie bekommen. Damit haben vor allem Menschen Schwierigkeiten, die perfektionistisch veranlagt sind und sich selbst wenig Raum für Fehler eingestehen.

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Salewski nennt aber noch eine andere Hürde, die uns bei Entscheidungen im Weg steht: Die Angst vor Konflikten. “Menschen vermeiden Konflikte ja ganz gerne und manchmal zu dem Preis, sich nicht zu entscheiden“, sagt sie im "Bayerischen Rundfunk“. Der gemeinsame Nenner ist also die Angst. Wir fürchten uns, durch Entscheidungen etwas zu verlieren und verlieren dabei schnell aus dem Blick, dass wir mit jeder Entscheidung auch etwas dazugewinnen. Darum geht es am Ende ja.

Wie sagte schon Benjamin Franklin einst: “Die schlimmste Entscheidung ist die Unentschlossenheit.“  Wenn wir uns vor Entscheidungen drücken, dann tun wir uns selbst absolut keinen Gefallen damit. Unser Gehirn mag feste Strukturen und kann mit der schwammigen Situation innerhalb einer Entscheidungsfindung nur mäßig gut umgehen. Die Folge: Gedankenkarusell und Daueranspannung. Das kennen Sie? Dann haben wir ein paar Tipps, um Ihnen die nächste Entscheidung zu erleichtern.

Vertrauen Sie auf sich selbst

Vor allem bei bedeutsamen Entscheidungen ist es ratsam, sich auszutauschen und andere Meinungen einzuholen. Trotzdem sollten Sie Ihrem eigenen Gefühl am Ende am meisten Wert geben. Niemand, nicht einmal Ihre beste Freundin oder Ihr engster Vertrauter können sich in Ihre Situation hineinversetzen. Deshalb gilt auch: Keine Angst vor Unverständnis in Ihrem Umfeld, wenn Sie eine Entscheidung treffen wollen, die nicht ganz dem Mainstream entspricht. Es ist Ihr Leben, Ihre Verantwortung und damit auch Ihre Entscheidung.

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Erkennen Sie die Graustufen

Die meisten Menschen gehen mit einer Entweder-Oder-Einstellung an Entscheidungen heran. Dabei besteht unsere Welt nicht aus Schwarz und Weiß; wir leben in Grautönen. Wenn man sich zwischen zwei Wegen absolut nicht entscheiden kann, lohnt es sich deshalb, einen Mittelweg zu suchen. Meistens gibt es viel mehr Möglichkeiten, als man auf den ersten Blick sieht.

Schlafen Sie drüber

Zugegeben: Jeder von uns hat schon einmal über eine Entscheidung geschlafen. Oft wird die Floskel allerdings genutzt, um eine Entscheidung aufzuschieben. Dabei funktioniert das "drüber-Schlafen“ wirklich. Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn die Informationen nämlich noch einmal intensiver und gleicht sie mit unserem Unterbewusstsein ab, sodass wir viele Entscheidungen beim Aufwachen schon getroffen haben, ohne es zu wissen.

Nehmen Sie die Vogelperspektive ein

Je größer die zu treffende Entscheidung, desto kleiner fühlen wir uns. Manchmal wächst einem das Ganze dann sogar regelrecht über den Kopf, sodass sich ein Ohnmachtsgefühl einstellt. Hier lohnt es sich, eine gedankliche Distanz herzustellen. Fragen Sie sich dafür, welche Auswirkungen die Entscheidung wirklich auf Ihr Leben haben wird – in einem Jahr, in fünf Jahren und in zehn Jahren? Et voila: Schon kommt einem das aktuelle Entscheidungsproblem winzig – und händelbar – vor.

Informieren Sie sich über Ihre Optionen

Wer die Qual der Wahl hat, der sollte natürlich auch all seine Optionen genau kennen. Spielen Sie also jedes Szenario genau durch und erstellen Sie eine Pro-und-Contra-Liste. Dadurch rationalisieren Sie die Entscheidung und geben sich selbst die Sicherheit, bestmöglich vorbereitet zu sein.

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Hören Sie auf Ihre Körpersignale

Hier ist es endlich, das viel beschworene Bauchgefühl, auch gerne Intuition genannt. Es gibt Entscheidungen, vor allem in Liebesdingen, die wir wirklich mit unseren Gefühlen treffen sollten. Aber auch, wenn es um einen neuen Job oder die Option eines Wohnortwechsels geht, werden wir ein Gefühl zu jeder Option haben. Diese Körpersignale sollten Sie in jedem Fall in Ihre Entscheidung mit einbeziehen – auch, wenn Sie nicht immer das einzige Kriterium sein sollten.

Haben Sie keine Angst vor Fehlentscheidungen

Perfekt ist niemand von uns, jeder hat schon einmal eine Entscheidung getroffen, die er später bereut hat. Aber selbst, wenn man sich mit einer Entscheidung mal verhaspelt hat, lernt man auch daraus etwas für seinen weiteren Weg. Klar, das schreibt sich so leicht. Aber vielleicht haben Sie auch schon den ein oder anderen Umweg eingeschlagen, um ein paar Jahre später zu merken, dass es im Rückblick doch ganz gut so war. Die Wissenschaft ist sich jedenfalls einig: Wir wachsen an unseren Fehlern. Also trauen Sie sich, welche zu machen.

Entscheidungen treffen? Tun Sie es einfach!

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn wir also im Alltag wieder bewusster eine Wahl treffen, dann fallen uns irgendwann auch die großen Entscheidungen leichter. Jedes Mal, wenn wir eine Sache einer anderen vorziehen, stärken wir damit unsere Selbstwirksamkeit. Wir lernen: Wir haben unser Leben im Griff und die Zügel in der Hand. Und genau das ist das Gefühl, das wir auch bei den großen Fragen des Lebens brauchen.

Quelle: Bayerischer Rundfunk, Interview; Buch: Entscheidungen erfolgreich treffen

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