Schluss mit der Angst! Warum wir uns jetzt eine Auszeit nehmen müssen

Schluss mit der Angst! Warum wir uns jetzt eine Auszeit nehmen müssen

Irgendwie ist der Sound in dieser Welt da draußen laut, roh, wenig achtsam. Unseren Kolumnisten macht das nachdenklich und er wünscht sich mehr Raum für uns selbst. Das Laufen ist sein Ruhepol. Aber es geht um mehr.

Ich war heute eine große Runde mit den Hunden laufen. Im Wald. Über uns tobte der Wind, gerade ist im Norden der erste Herbststurm angekommen. Die Luft ist klar und kalt, die ersten tiefen Lungenzüge taten beinahe weh. Und gleichzeitig war es so schön, einfach zu atmen.

Kurzbiografie Mike Kleiß

Mike Kleiß treibt seit seiner Kindheit Sport. „Wer sich bewegt, erreicht mehr“, ist sein Lebensmotto. Das Laufen war immer sein Lieblingsthema. Seit sieben Jahren läuft er nahezu täglich zwischen 15 und 20 Kilometern, oft Marathon, manchmal Ultra-Marathon. Bisher hat unser Kolumnist zwei Bücher zum Thema Laufen veröffentlicht. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur GOODWILLRUN. Mike Kleiß lebt mit seiner Familie in Hamburg und in Köln. Er schreibt hier jeden Donnerstag über das Laufen.

Atmen, ja. Das ist es, was mir manchmal wirklich fehlt. Ich stelle mehr und mehr fest, dass ich vor Anspannung oft den Atem einfach anhalte, dass ich unregelmäßig atme. Auf die Frage nach dem Warum bin ich inzwischen ganz klar: Es ist die permanente Anspannung und wahrscheinlich bin ich damit nicht alleine.

Die „Angst der Deutschen“: Inflation und Wirtschaftseinbruch

Eine aktuelle repräsentative Studie einer großen Versicherung zeigt, was uns derzeit beschäftigt. Und nein, es ist nicht Corona! Es sind die Themen: Inflation, unbezahlbarer Wohnraum, Wirtschaftseinbruch. Die „Angst der Deutschen“ ist, dass alles immer teurer wird, dass wir uns das Leben gar nicht mehr richtig leisten können. Interessant ist in dieser Studie übrigens, dass die Angst vor Naturkatastrophen und Extremwetter erst auf Position sechs genannt werden. Die Angst des Klimawandels hat es nur bei der Alterszielgruppe der 14- bis 19-jährigen ganz nach oben geschafft. Manchmal fühle ich mich wohl tatsächlich noch wie 19!

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Neben dem regelmäßigen Laufen als Basis-Anti-Angstmacher, versuche ich mehr und mehr für meine innere Balance zu tun. Und ich halte es für immer wichtiger, genau das zu beherzigen. Im Bett wird schon länger das Handy in den Flugmodus geschaltet. Ich möchte nicht länger mit schlechten Nachrichten in den Schlaf gehen. Generell habe ich meine Aktivitäten in Sachen Social Media eingeschränkt, Handy, Tablet und Laptop nutze ich inzwischen zu 80 Prozent nur noch als Arbeitswerkszeug.

Wir müssen uns etwas Gutes tun

Es wird immer wichtiger, Gutes für sich zu tun. Und es ist augenscheinlich wichtiger denn je, gut zu sich zu sein. Nicht nur ab und an, sondern jeden Tag. Diese Zeiten sind auch eine Chance für uns alle. Auch wenn es schwerfällt: Wir müssen uns mehr Auszeiten nehmen. Zum Beispiel dafür –  und das klingt jetzt zunächst banal – wieder selbst zu kochen. Wenn man Heidi Klum glauben darf, ist sie deshalb in Shape, weil sie sich ausreichend bewegt, genug Sport treibt, und eine eiserne Regel befolgt: selbst zu kochen. Keine Fertiggerichte aus dem Supermarkt, keine Bestellung beim Pizza-Service, seltene Restaurant-Besuche. Nach dem Motto: Nur man selbst hat die Kontrolle über seine gesunde Ernährung, wenn man auch selbst die Dinge in den Kochtopf schmeisst.

Verantwortung übernehmen – für Geist, Psyche und Körper

Die Verantwortung wieder selbst übernehmen, für sich und das Wohlbefinden, nur das kann der Schlüssel zum Erfolgs sein. Dazu gehört übrigens auch ein gehöriger Teil an Präventionsmaßnahmen. Warum warten wir immer, bis die Blessuren und Zipperlein beginnen? Warum arbeiten wir nicht vorsorgend an unserer Psyche, an unserer Physis? Für den klaren Kopf habe ich das Laufen, die langen Spaziergänge mit den Hunden, lange Radtouren mit dem Rennrad.

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Dazu kommt der „Body-Part“. Ausreichend viel Schlaf, vor allen Dingen tiefer Schlaf. Eine gesunde Ernährung, und regelmäßige Auszeiten. Ja, auch im Alltag. Inzwischen verordne ich mir auch an einem harten Arbeitstag mindestens zwei Stunden, in denen ich nur etwas für mich tue. Nur so fühle ich mich „ready“ für die Zukunft. Und vor genau dieser Sorgen sich viele.

Vor allem junge Menschen machen sich Sorgen

Mit neuer Energie, die ich täglich auftanke, habe ich auch wieder Lust darauf, etwas zu verändern. Auch politisch. Und damit scheine ich nicht alleine zu sein. Eine aktuelle Studie: zeigt Obwohl die Mehrheit der jungen Menschen (66 Prozent) ihre Generation als eine wahrnimmt, die politisch etwas verändern möchte, hat weniger als ein Drittel (29 Prozent) das Gefühl, Politik beeinflussen zu können. Drei Viertel (75 Prozent) erleben die deutsche Demokratie als zu schwerfällig, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu lösen. Entsprechend pessimistisch blicken junge Menschen nach vorne: 86 Prozent machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Nur acht Prozent haben die Hoffnung, dass es ihren Kindern einmal besser gehen wird als ihnen.

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Da ich gerade Vater geworden bin, ist gerade der letzte Satz entscheidend. Ich möchte gerne, dass es meiner Tochter einmal besser geht als mir. Oder wenigstens ebenso gut. Damit das gelingen kann, muss ich bei mir selbst anfangen. Mit dem Gewinn von neuer Energie, mit mehr Balance für mich selbst. Denn ich bin mir sehr klar: Nur wenn ich mir Gutes tun kann, mir die Freiheit und den Raum dazu gebe, kann ich anderen etwas Gutes tun.

So läuft es.

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