Sterben durch Corona wirklich mehr Menschen? In Bergamo liegt die Rate 568 Prozent höher als sonst

Sterben durch Corona wirklich mehr Menschen? In Bergamo liegt die Rate 568 Prozent höher als sonst

Die Bilder aus Italien sorgten wochenlang für Entsetzen: überfüllte Krankenhäuser, überforderte Ärzte und Klinikpersonal, hunderte Tote jeden Tag. Das Coronavirus grassierte besonders im Norden des Landes heftig. Bislang sind rund 30.000 Italiener an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Das nationale Statistikamt Istat hat sich die Todeszahlen genauer angeschaut: Wie hat das Virus die übliche Sterberate beeinflusst? Und welche regionalen Unterschiede gibt es? 

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Italienweit gab es rund 50 Prozent mehr Tote

Besonders im Fokus der Istat-Analyse waren die Zahlen aus dem März dieses Jahres – dem Höhepunkt der Corona-Pandemie in Italien.

Auf das ganze Land gerechnet lag die Sterblichkeitsrate dieses Jahr demnach rund 50 Prozent höher als im März 2019: Es wurden 49,4 Prozent mehr Sterbefälle verzeichnet als im letzten Jahr. Wichtig dabei sei laut Istat: Da das Auftreten des Virus lokal extrem schwankte, verzerrt der landesweite Wert die Wirklichkeit ein wenig. Die niedrigeren Todeszahlen in der Mitte und im Süden Italiens drückten die sehr viel höheren Werte aus den Corona-Hotspots im Norden nach unten, so das Istat.

Extrem hohe Sterblichkeit im Norden des Landes

Schaut man sich die Mortalitätsraten der einzelnen Regionen an, ergibt sich ein anderes Bild. So liegt die Sterblichkeit beispielsweise in der Provinz Bergamo bei +568 Prozent im Vergleich zum März-Durchschnittswert der letzten fünf Jahre.

In Cremona sind 391 Prozent mehr Menschen gestorben, in Lodi 371 Prozent und in Brescia 291 Prozent. Alle Provinzen liegen in der Lombardei, die mit großem Abstand die meisten Corona-Infektionen verzeichnete.

In Rom starben weniger Menschen, in Neapel ungefähr gleich viele

Erstaunlich ist auch ein anderer Wert: In Rom sind dieses Jahr im März weniger Menschen gestorben als normalerweise. Von 2015 bis 2019 sind in diesem Monat nach Auswertungen der Istat-Daten durch die Zeitung „La Repubblica“ im Schnitt jeweils 4.121 Menschen gestorben, in diesem Jahr waren es 3.757 Todesfälle. Damit lag die Sterblichkeitsrate in Rom bei -9,4 Prozent.

Ebenfalls bemerkenswert: In Neapel ist durch Corona kaum eine Veränderung in der Mortalität zu beobachten. Dort sind diesen März etwa genauso viele Menschen gestorben wie im Schnitt in den Märzmonaten der vergangenen fünf Jahre.

Viele Tote in Gebieten mit hoher Durchseuchungsrate

Wie „La Repubblica“ weiter schreibt, wurde die überwiegende Mehrheit der Todesfälle (89 Prozent) in den Provinzen registriert, die als „hochdiffusioniert“ gelten – wo es also auf einer begrenzten Fläche sehr viele Corona-Infektionen gab, nämlich 100 oder mehr Fälle pro 100.000 Einwohner. Das war in den Provinzen im Norden des Landes der Fall: in der Lombardei, in Ligurien und der Emilia-Romagna.

Demgegenüber stehen die Gebiete mit mittlerer Diffusion (40 bis 100 Fälle auf 100.000 Einwohner) in der Landesmitte – hier sind acht Prozent der Todesfälle registriert worden – und die Gebiete mit niedriger Diffusion (drei Prozent) im Süden und auf den Inseln des Landes.

Zahlen gehen zurück

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Das bedeutet: Wo immer das Virus in großer Konzentration vorhanden war, starben besonders viele Menschen. Das bestätigt, was einige Virologen und Epidemiologen schon länger vermutet hatten, nämlich dass es eine Korrelation zwischen Viruskonzentration und Mortalität geben könnte.

Hinzu kommt: Das Virus grassierte im Norden zwar schon einige Zeit, bevor die Regierung in Rom den Lockdown verhängte. Aber: Die strengen Ausgangsbeschränkungen traten landesweit in Kraft, als es außer im Norden kaum einen größeren Corona-Hotspot gab.

Daten aus fast 6900 Gemeinden 

Für seine Erhebung hat das Istat mit dem Obersten Gesundheitsinstitut (ISS) zusammengearbeitet. Stichprobenartig wurden 6.866 Gemeinden in ganz Italien ausgewählt und dort die Sterberaten analysiert. Damit hat man 87 Prozent der insgesamt 7.904 Gemeinden des Landes berücksichtigt.

Quellen: „La Repubblica“, Pressemitteilung Istat, Johns Hopkins University

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