Top-Virologe Drosten: „Geht nicht in Clubs, nicht auf Partys“

Top-Virologe Drosten: „Geht nicht in Clubs, nicht auf Partys“

Bundesweite Schulausfälle sind laut dem Top-Virologen Drosten eine „effiziente Maßnahme“. Doch nur, wenn sich die Schüler jetzt auch an einige Regeln halten – soziale Kontakte herunterfahren, Veranstaltungen meiden. „Bleibt zuhause“, fordert Drosten.

Jetzt ist es beschlossene Sache: Ob der rasanten Ausbreitung des Corona-Virus erklärten die ersten Bundesländer am Freitagmorgen, alle Schulen und Kitas ab Montag bis zum Ende der Osterferien zu schließen.

Der Virologe Alexander Kekulé hält diese Maßnahme für „absolut alternativlos“, wie er am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“ erklärte.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité, äußerte im NDR-Corona-Podcast dagegen noch Bedenken. Denn vor allem bei Schließungen von Kitas und Grundschulen könne ein „großer Folgeschaden“ entstehen. 

Kekulé argumentierte, dass jedes infizierte Kind statistisch gesehen zwei bis drei andere Kinder anstecke. Das würde eine „Infektionslawine“ auslösen, die nur schwer zu stoppen sei.

 „Wir wollen alle, dass sich die Infektionswelle abflacht und in die Länge zieht. Wir wollen andererseits aber die Arbeitskraft im Land nicht schädigen“, sagte Drosten.

Kita- und Schulausfälle: Drosten befürchtet massive Probleme für Eltern

Viele Eltern seien von den Schließungen betroffen und könnten nicht zur Arbeit gehen; das wirke noch stärker in den Bereich von Kindergärten und Kitas. Eine Unterscheidung zwischen Schule und Kita sei mithin angebracht, wie Drosten erklärte. „Dass man wirklich sagen muss, gerade bei den älteren Jahrgängen nach der Grundschule, da ist es vielleicht wirklich so, dass die Eltern das besser organisieren können, dass die nicht deswegen alle zu Hause bleiben müssen.“

Sinnvoller sei es laut ihm daher, die Schulen ab einem bestimmten Jahrgang zu schließen und im Intensivbetreuungsbereich nach anderen Optionen zu suchen, „weil sonst viele Bereiche des Arbeitslebens gerade auch in der Medizin zusammenbrechen.“

Lesen Sie mehr:

  • PUSH – Stellen Sie hier Ihre Fragen zu Covid-19 – Corona-Sprechstunde: Soll ich Krebsbehandlung wegen Virus-Ausbruch absagen?
  • Bundesländer machen Schulen dicht: Wo ist überhaupt noch Unterricht?
  • „Angst vor großen Zahlen“: Warum wir den Anstieg der Corona-Fälle nicht begreifen

Vor allem unter dem medizinischen Personal befänden sich viele junge Eltern, die vor massive Probleme gestellt würden – auf sie sei man aber dringend angewiesen.

Drosten befürchtete gegenüber dem NDR: „Wenn die Kitabetreuung wegfällt, können die nicht zur Arbeit gehen. Da hätten wir also einen großen Folgeschaden angerichtet, wenn wir einfach so von heute auf morgen Kitas schließen würden – ohne weitere Bestimmungen oder ohne weitere Maßnahmen“. An der Charité gebe es bereits Überlegungen, diese um eine Kita zu erweitern.

Drosten: „Geht nicht in Clubs, nicht auf Partys“

Nichtsdestotrotz sind Schulschließungen in Kombinationen mit einem Veranstaltungsstopp laut Drosten in der Tat extrem effiziente Maßnahmen, vor allem, wenn man sie mehr als vier Woche durchhalte. Junge Menschen sollten in jedem Fall vorsichtig sein; Drosten appelliert: „Trefft euch im kleinen Kreis und schaut euch eine Serie an. Geht nicht in Clubs, nicht auf Partys.“ 

Die Zeit bis nach Ostern könne und solle die Politik dazu nutzen, sich zu fragen, in welche Richtung man mit diesen Maßnahmen gehen wolle, ergänzte Drosten – abhängig von der Entwicklung der pandemischen Welle.

Dabei gehe es um Fragen wie: „Wo sind wir jetzt? Wo stehen wir? Ist es jetzt schon so schlimm, dass wir ohne Überlegen sagen, dass wir das, was wir jetzt haben an Schulschließung und so weiter, auf jeden Fall drei Wochen verlängern? Es kann sein, dass wir dann in dieser Situation sind. Oder es könnte auch sein, dass wir dann sagen: Na ja, bis jetzt ist es eigentlich ganz gut gegangen.“

Top-Virologe Kekulé kritisiert Politik

Indes kritisierte Kekulé am Freitag: „Die Politik läuft hier leider seit Wochen der Entwicklung hinterher.“ Die gemeldeten Zahlen zu Infizierten würden nur einen Stand von vor zehn Tagen wiedergeben. Grund sei die Inkubationszeit des Virus Sars-CoV-2 einerseits, sowie die Zeit, die bis zur Diagnose vergehe andererseits.

Deshalb forderte er „proaktives Handeln“ von den Verantwortlichen. Als Beispiel nennt er den Sonderurlaub von bis zu zehn Tagen pro Jahr, den Eltern nehmen können, wenn ihr Kind krank ist. Die Bundesregierung solle klarstellen, dass Eltern diesen Urlaub auch für die Quarantäne nehmen könnte.

So lange überlebt das Coronavirus auf Oberflächen und in der Luft

KameraOne So lange überlebt das Coronavirus auf Oberflächen und in der Luft

Quelle: Den ganzen Artikel lesen