Über 80 Prozent zeigen keine Symptome: Die Gefahr der verborgenen Virenschleudern

Über 80 Prozent zeigen keine Symptome: Die Gefahr der verborgenen Virenschleudern

Dass die Dunkelziffer der Corona-Zahlen hoch ist, darüber sind sich Wissenschaftler einig. „Stille Infektionen“, also Erkrankte, die keine Symptome zeigen, machen Schätzungen jedoch schwer. Wissenschaftler fanden nun heraus: In Wahrheit könnte es viel mehr Infizierte geben, als bisher angenommen.

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, ohne Symptome zu zeigen, gilt als Patient mit einer „stillen Infektion“. Personen, die nicht in direktem Kontakt zu einem nachgewiesenen Corona-Fall stehen, werden ohne Symptome nur selten getestet – sie erfahren also nichts von davon.

Still Infizierte werden somit zum unwissentlichen Überträger und gelten als hohes Risiko in der Verbreitung von Sars-CoV-2. Auch Kinder, die selten schwere Verläufe von Covid-19 erleiden, zählen zu dieser Überträgergruppe.

Schwer, Dunkelziffer bei Infektionen mit Sars-CoV-2 zu ermitteln

Festzumachen, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind, ohne es zu bemerken und ohne Symptome zu zeigen, ist demnach schwer. Anfang April erklärten etwa die U.S. Centers for Disease Control and Prevention, dass vermutlich 25 Prozent der Infizierten keinerlei Symptome zeigten. Dass die Zahl der stillen Infizierten in Wahrheit wesentlich höher sein könnte, zeigt nun eine neue Untersuchung.

Wissenschaftler des Macquirie University Hospitals im australischen New South Wales analysierten die Daten von Kreuzfahrtpassagieren, die Mitte März von der Küste Argentiniens zu einer geplanten 21-tägigen Fahrt aufgebrochen waren. An Bord: 128 Passagiere, 95 Besatzungsmitglieder.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Weltgesundheitsorganisation bereits eine globale Pandemie ausgerufen. Personen, die sich in den vergangenen drei Wochen in Ländern mit hohen Infektionsraten aufgehalten hatten, durften nicht einsteigen. Zudem wurde bei allen Passagieren Fieber gemessen, auch Handdesinfektionsmittel waren auf dem Schiff verteilt.

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Untersuchung auf Kreuzfahrtschiff: Über 80 Prozent zeigten keine Symptome

Nachdem sich am 8. Tag dennoch ein erster Fieberfall zeigte, war das Schiff unter Isolation gestellt worden. Es wurden Maßnahmen zur Infektionskontrolle eingeführt, die Passagiere durften sich nur noch in ihren Kabinen aufhalten. Personal, das in Kontakt mit kranken Passagieren kam, musste Schutzausrüstung tragen.

Acht der Passagiere und Besatzungsmitglieder mussten schließlich wegen Atemstillstands in ein Krankenhaus gebracht werden. Am 20. Tag wurden alle verbleibenden 217 Passagiere und Besatzungsmitglieder auf das Coronavirus getestet.

Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte, 59 Prozent, wurden positiv getestet. Viel gravierender ist jedoch: Nur 19 Prozent der nachweislich Infizierten zeigten Symptome, 81 Prozent hingegen keine. Diese Untersuchung führte bei den Wissenschaftlern zu der Vermutung, dass stille Infektionen wesentlich öfter auftauchen, als bisher angenommen.

Die Verbreitung des Virus in isolierten Umgebungen, etwa Kreuzfahrtschiffen, sei wahrscheinlich „erheblich unterschätzt“ worden, erklärte Alan Smyth, Mediziner der University of Nottingham und Herausgeber der Fachzeitschrift „Thorax“, wo die Forscher ihre Ergebnisse veröffentlichten.

Kreuzfahrt-Daten sollten bei Exit-Strategien betrachtet werden

Daraus ließen sich auch Rückschlüsse auf künftige Lockerungen der Maßnahmen und Kontaktsperren ziehen. „Die Länder bewegen sich nach und nach aus dem Lockdown heraus“, erklärte Smyth weiter. „Tatsächlich könnte aber ein viel höherer Anteil der Bevölkerung infiziert sein.“

Unabhängig davon, ob diese Menschen bereits immun sind oder nicht, bedürfe es dringend globaler Daten, um die tatsächlichen Infizierten zu ermitteln. Ohne verlässliche Daten sei es schwierig, „eine verlässliche Schätzung der Anzahl von Sars-CoV-2-positiven Patienten ohne Symptome zu finden.“

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