"Zulassung bedeutet nicht, dass sofort Impfstoff für alle bereitsteht"

"Zulassung bedeutet nicht, dass sofort Impfstoff für alle bereitsteht"

Weltweit wird an einem möglichen Corona-Impfstoff geforscht – mehr als zehn Impfstoffkandidaten haben es bereits in die fortgeschrittene klinische Prüfung der Phasen 3 und 2 geschafft. Könnte die Schnelligkeit des globalen Impfstoffrennens zulasten der Sicherheit gehen? Dafür sieht Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Insituts (PEI), keine Anzeichen. "Bei der Sorgfalt und der Bewertung der Daten werden keine Abstriche gemacht", sagte Cichutek im stern-Interview.

Vergangene Woche gab das Firmenkonsortium Biontech/Pfizer bekannt, dass ihr Impstoffkandidat in der entscheidenden klinischen Phase eine Wirksamkeit von 90 Prozent zeige. Die Meldung sei "ermutigend", so Cichutek. "Jetzt müssen aber die konkreten Daten analysiert werden, um einschätzen zu können, wie gut die Wirksamkeit wirklich ist und für welche Altersgruppen sie gilt. Diese Daten werden in Kürze bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA eingereicht werden."

Nutzen muss Risiken „weit“ überwiegen

Auch Daten zur Impfstoffsicherheit sind noch ausstehend. "Vor einer Zulassung müssen wir sicherstellen, dass der Impfstoffnutzen gegenüber seinen Risiken weit überwiegt", betonte Cichutek und dämpfte zu hohe Erwartungen an eine mögliche Zulassung. Dies bedeute nicht, dass "sofort Impfstoff für alle" bereitstehe. In der vergangenen Woche hatten die Ständige Impfkommission (Stiko), der Deutsche Ethikrat und die Wissenschafts-Akademie Leopoldina bereits Eckpunkte zu einer Priorisierung von vulnerablen und besonders exponierten Bevölkerungskreisen veröffentlicht.

Welche Eigenschaften muss ein guter Corona-Impfstoff seiner Einschätzung nach mit sich bringen? "Ideal wäre eine komplette Verhinderung einer Infektion und der Weitergabe des Virus von Mensch-zu-Mensch", so der PEI-Präsident. "Realistisch ist die Reduktion der Covid-19-Erkrankungen bei geimpften Personen und die Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe." Auch die Verträglichkeit sei wichtig. In den klinischen Prüfungen werde deshalb sehr genau hingesehen: "Welche Nebenwirkungen sind zu akzeptieren, welche nicht? Vorübergehendes leichtes Fieber, leichte Kopfschmerzen oder Unwohlsein, Druckschmerzen an der Einstichstelle – das wären akzeptable, erwartete Nebenwirkungen, die übrigens schon in den frühen klinischen Prüfungen beobachtet wurden."

Weltweit sieht Cichutek die Impfstoffentwicklung in der aktuellen Pandemie auf einem "guten und richtigen" Weg. "Wir sind den Pandemie-Erregern nicht mehr ahnungslos ausgeliefert", betonte der PEI-Präsident. "Aber dazu müssen die Forschung, Entwicklung und Regulation auch nach einer Pandemie ausreichend gefördert werden." 

Auch das US-Biotechnologieunternehmen Moderna hat zwischenzeitlich Informationen zur Wirksamkeit seines Covid-19-Impfstoffs vorgelegt. Das Unternehmen teilte mit, dass das Vakzin in der entscheidenden klinischen Phase eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent zeige.

Das vollständige Interview zum Nachlesen (Paid-Inhalt) gibt es hier.

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